Karibu Zanzibar! [Willkommen in Sansibar!]

03/10/2016 – Verlag intern

 

Nun ist meine Reise auf die weitentfernte Insel bereits über eine Woche her und es wird Zeit ein Fazit zu ziehen. Was hat die Reise bewirkt? Hat sich meine Perspektive geändert? Konnte ich etwas mitnehmen?

 

 

Die Ruhe der Schildkröte

Ein ganz klares Ja auf allen Ebenen! Der Anblick der Schildkröten hat etwas Ur-Beruhigendes. Schon alleine das Dahinschweben im Wasser strahlt so viel Ruhe aus, dass es einfach auf einen abfärben muss. Aber wussten Sie, dass dieses gemächliche Dahinschweben noch nicht die ruhigste Haltung der Schildkröten ist? Es gibt auch eine Chill-Out-Position (Flossen auf den Panzer), in der sich Schildkröten dahintreiben lassen oder ein Nickerchen halten. Während des Schlafens können sie bis zu 5 Stunden unter Wasser bleiben. Diese Ruhephase kann somit einige Zeit andauern.

 

 

Pole Pole

Doch auch bei den menschlichen Bewohnern der Insel gehen die Uhren anders. Nicht nur bildlich, sondern auch wörtlich, denn Sansibar (sowie weitere Teile der Ostküste Afrikas) hat seine eigene Zeitrechnung, die Swahili-Zeit. Aber keine Angst, bei Verabredungen mit Touristen wird die westliche Zeitrechnung verwendet. Eines der ersten Wörter, die ich, neben Hakuna Matata (was wir ja alle aus „Der König der Löwen“ kennen), gelernt habe, war „pole pole“. Dieses auf der Insel gern benutzte Wort bedeutet "langsam" und bietet sich quasi in allen Lebenslagen an. Eine weitere Möglichkeit für Reisende zur vollkommenen Entspannung und Ruhe zu kommen (zumindest, wenn man sich auf diese Lebensweise einlassen kann).

 

 

Die Arbeitsweise

Auch bei der Arbeit ist die pole-pole-Philosophie klar zu spüren (zumindest in den Kontexten, in denen ich die Arbeitsweisen kennenlernen durfte). Es wird weniger Wert auf Effizienz und Schnelligkeit gelegt als bei uns. Es ist wichtiger, dass Dinge zusammen organisiert und durchgeführt werden (auch, wenn es durch die Aufteilung in Gruppen vielleicht schneller ginge). Es wird viel geplauscht und zwischendurch immer mal wieder ausgeruht. Sind die Insulaner daher fauler als wir? Mitnichten! Pünktlich zum Sonnenaufgang (6am) fingen die ersten Mitarbeiter an zu fegen, aufzuräumen und die Station bereit für die ersten Gäste zu machen. Gearbeitet wurde unterschiedlich lang, jedoch nicht selten bis weit in den Abend, einige Mitarbeiter haben auch gleich auf der Station geschlafen. Es wird also eher über einen längeren Zeitraum sehr viel gemächlicher gearbeitet – was bei den Temperaturen sicherlich sinnvoll ist.

 

 

Taka Taka

Bedeutet „Müll“ und ist leider ein weit verbreitetes Problem. Es liegt Müll am Straßenrand, vor Häusern und auf den Feldern. Einige verbrennen ihren Müll direkt vorm Haus. Von World Unite! wurde daher ein Umweltprojekt gestartet, das eine sinnvolle Verwendung von Müll und das Recyceln näher bringen soll. Geplant ist ein Haus aus alten Plastikflaschen. Fertig sind schon einige kleinere Projekte, wie das Taka Taka-Taxi.

 

 

Die Insulaner

Was ich auf jeden Fall mit nach Hause genommen habe und hoffe, dass es auf mich abgefärbt hat, ist die unglaubliche Freundlichkeit und Offenheit der Bewohner! Ein Jeder grüßt und hält Smalltalk. Die Grundbegriffe auf Swahili lernt man daher schnell (hier ein oft gesungenes Lied mit den wichtigsten Vokabeln). Die Insel ist geprägt von verschiedenen Einwanderer- und Kolonialisierungsphasen und das merkt man. In Stone Town (der Altstadt der Hauptstadt Sansibars) gibt es über 40 Moscheen (was in einem muslimischen Land erst einmal nicht verwundert), zwei Kirchen und diverse hinduistische Tempel. Es mischt sich ein buntes Völkchen aus Afrikanern, Indern und Europäern durch die Straßen und jeder wird gleichermaßen mit Respekt behandelt. Doch Vorsicht: Ebenso sollte man auch die Gebräuche vor Ort respektieren. An Stränden an denen viele Einheimische baden, sollte man sich nicht unbedingt im Bikini in die Sonne legen. Meine Zeit auf der Schildkrötenstation fiel zufällig mit dem islamischen Opferfest zusammen. Die Schulen waren geschlossen und viele Familien verbrachten ihre Tage an „unserem“ Strand und feierten. Ein wunderbares Spektakel mit vielen Leckereien und, auch wenn man hier von Gesichtsschleier (sehr selten) bis europäischer Kleidung alles sehen konnte, sollten – aus Respekt vor den Einwohnern – in solchen Fällen zumindest Schultern und die Beine bis zu den Knien bedeckt sein.

 

Gewürze und anderes Sehenswertes

Natürlich nicht zu vergessen: die Gewürze! Es ist unfassbar, wie viele hiervon auf Sansibar angebaut werden. Von Nelken über Vanille bis hin zum Pfeffer. Alles steht bunt gemischt auf der Plantage und wird zur gegebenen Zeit geerntet. Das schmeckt man auch bei den einheimischen Gerichten, die zwar oft einfach (z.B. Reis mit Gemüse), aber unsagbar vielfältig gewürzt sind! Meist wird Garam Masala oder eine Currymischung verwendet, sodass alles einen besonderen, intensiven Geschmack erhält.

 

Weiter bietet Sansibar traumhafte Strände, unglaubliche Schnorchel- und Tauchspots, einen Regenwald, exotische Tiere (nachts konnten wir hin und wieder die Bushbabys hören und einmal sogar sehen), eine geschichtsträchtige Hauptstadt mit dem UNESCO Weltkulturerbe der Altstadt Stone Town, eine vorgelagerte Insel mit Galapagos-Schildkröten, die Geburtsstätte Freddy Mercurys (wobei es hier, abgesehen vom Haus, nicht viel zu sehen gibt), und und und… Ich kann Ihnen sagen: zwei Wochen sind nicht genug um alles Wunderbare zu entdecken!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Reiseempfehlung für Jedermann?

Nicht uneingeschränkt. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man sich in Afrika und in Nähe des Äquators befindet. Das heißt: die Wände sind oft feucht, schimmeln wohlmöglich sogar. Das Wasser in der Dusche ist sehr wahrscheinlich kalt und eine Duschkabine gibt es eventuell auch nicht. Mülltrennung gibt es (wie oben bereits erwähnt) nicht. Der Strom fällt regelmäßig aus und zu dieser Zeit gibt es (da die Pumpe keinen Strom hat) auch kein fließendes Wasser. Wenn Sie sich mit diesen Kleinigkeiten arrangieren können, dann ja, ab in den Flieger und auf zu einer der schönsten Inseln und den wohl gastfreundlichsten Menschen, die ich jemals kennenlernen durfte! Ich für meinen Teil werde mich nun im Swahili üben und auf jeden Fall wiederkommen!

Asante Sana! [Vielen Dank!]

Kwaheri! [Auf Wiedersehen!]

Kirstin Dreimann