Das eigene Manuskript in einem Verlag einreichen – Teil 1

15/11/2017 – Schreibtipps

Als Selfpublishing-Portal bietet tao.de eine Möglichkeit, sein Buch abseits der traditionellen Verlagswege zu veröffentlichen. Entstanden ist unser Portal  aus einem alltäglichen und allgegenwärtigen Problem der Verlagsbranche: Rund 500 Manuskripte werden unserem ‚Mutterunternehmen‘, der J.Kamphausen Mediengruppe, jährlich unverlangt zugesendet. Hiervon wird jedoch höchstens eines pro Jahr veröffentlicht. Wie kommt das? Sind die anderen Manuskripte nicht gut? Gerne möchten wir Ihnen heute einen kleinen Einblick hinter die Kulissen der Verlagswelt bieten und Ihnen ein paar Tipps für Ihre Einreichung bei einem Verlag an die Hand geben. Denn wir verstehen uns nicht nur als reines Selfpublishing-Portal, sondern möchten unseren AutorInnen auf den verschiedensten Wegen Tipps mit an die Hand geben.

 

Wo kommen Verlagstitel her?

In der J.Kamphausen Mediengruppe werden jährlich ca. 50 Verlagstitel veröffentlicht. Hiervon kommt jedoch maximal eines aus einer Initiativzusendung eines Autors/einer Autorin. Woher bekommt der Verlag die übrigen Titel? Die meisten veröffentlichten Buchtitel bekommt ein Verlag über Vorschläge von Agenturen (ca. 40 %). 15 % aller Veröffentlichungen stammen von erfahrenen Autor/Innen, mit denen der Verlag bereits zusammen gearbeitet hat, weitere 15 % jeweils aus Netzwerken des Verlegers und der Verlagsmitarbeiter und durch Auftragsarbeiten durch den Verlag. Es folgen eigene Verlagsprojekte (10 %) und den geringsten Teil machen die eingesendeten Manuskripte aus.

 

Was genau passiert im Verlag mit meinem Manuskript? (Die Hintergründe am Beispiel unserer Mediengruppe)

Wenn Sie Ihr Glück auf eigene Faust versuchen möchten, hilft es sicher, die Abläufe im Verlag zu kennen, um die Buchvorstellung möglichst gut auf die Bedürfnisse der Verlage zuzuschneiden. Was passiert also, wenn ein Manuskript eingesendet wird? Zunächst wird die Einsendung von der Versandabteilung entgegengenommen, ‚eingebucht‘ (d.h. mit einem Datumsstempel versehen) und an die entsprechende Mitarbeiterin / den entsprechenden Mitarbeiter weiter geleitet. Nun wird das Manuskript gelesen und geprüft. Oft wird hierbei schon auf den ersten Blick ersichtlich, dass das Manuskript nicht für den Verlag in Frage kommt (z.B. weil das Thema nicht in das Programm des Verlags passt oder vor kurzen bereits ein Buch mit ähnlichem Themenschwerpunkt veröffentlicht wurde). Trotzdem haben wir (zumindest in unserem Verlagshaus) die Maxime, uns jede Einsendung genau anzuschauen, um dem Autor / der Autorin eine konstruktive Rückmeldung geben zu können. Dies dauert gut eine halbe Stunde pro Manuskript. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, wie lange ein Autor / eine Autorin an einem Manuskript arbeitet. Es ist jedoch sehr viel, wenn man bedenkt, dass der Verlag auch wirtschaftlich arbeiten muss. Rechnen wir es einmal hoch: 500 Manuskripte à 30 Minuten bedeuten, dass ein/e Verlagsmitarbeiter/In 250 Stunden im Jahr mit der Bearbeitung der Manuskripte beschäftigt ist (die Vorarbeiten in der Versandabteilung nicht mitgezählt). Das bedeutet, ca. sechs Stunden in der Woche arbeitet der Mitarbeiter / die Mitarbeiterin nur an der Manuskriptbearbeitung. Hinzu kommen die Nachgespräche bei Rückfragen. Dies ist für den Verlag unwirtschaftlich, da aus diesen 500 Projekten höchstens eines übernommen werden kann und daher nur dieses auch Geld einbringt. Hinzu kommt, dass es für den Mitarbeiter / die Mitarbeiterin frustrierend sein kann. Zwar kommt sie/er mit vielen spannenden Buchprojekten in Kontakt, muss jedoch 99,9 % der Autor/Innen durch mangelnde Kapazitäten im Verlag, Unwirtschaftlichkeit oder aus anderen Gründen eine Absage senden. Der Prozess ist somit nicht nur für Sie als Autor/In meist frustrierend, sondern führt auch bei uns im Verlag zu einer nicht zufriedenstellenden Situation. Aus diesem Grund hat Verleger Joachim Kamphausen vor sechs Jahren alle Autor/Innen, die im Vorjahr von unserem Verlagshaus abgelehnt wurden, zu uns in den Verlag eingeladen. Besprochen wurden Möglichkeiten, wie diese Situation für beide Seiten verbessert werden können. Der Wunsch der Autor/Innen war

1. die Möglichkeit zu bekommen unter dem Dach der J.Kamphausen Mediengruppe zu veröffentlichen, auch wenn hierfür eine finanzielle Eigenleistung der Autor/Innen notwendig werden würde und

2. eine kompetente Rückmeldung zu erhalten und das Know-how des Verlags in Anspruch nehmen zu dürfen.

Da für uns ein Zuschussverlag (bei dem der Verlag zwar alles organisiert und entscheidet, aber der Autor / die Autorin zahlt, oftmals im fünfstelligen Bereich), für uns nicht in Frage kam, entstand das Selfpublishing-Portal tao.de. Dies bietet Autor/Innen die Möglichkeit in unserem Hause zu veröffentlichen, auch wenn dies aus wirtschaftlichen, kapazitären, oder anderen Gründen im herkömmlichen Verlag nicht möglich ist. Die Autoren können jedoch selbst entscheiden, wie viel Hilfe sie in Anspruch nehmen möchten und bestimmen damit auch den Preis für die Veröffentlichung selbst. Unsere Mitarbeiter/In aus der Manuskriptprüfung kann Autor/Innen zu tao.de einladen, anstatt sie abweisen zu müssen. Ein Gewinn für beide Seiten – sofern eine Veröffentlichung mit Selbstverantwortung für den Autor / die Autorin in Frage kommt.

 

Wenn doch viele Manuskripte so gut sind, warum werden dann nicht mehr von ihnen veröffentlicht?

Auch wenn eine Buchidee / ein Manuskript gut geschrieben ist, ein interessantes Thema hat und sicher seine Leser/Innen finden wird, gibt es andere Gründe, weshalb der Verlag einen Titel ablehnen könnte. Hierzu gehören:

 

Es herrscht Mangel an Programmplätzen.

Im traditionellen Verlag stehen nur eine bestimmte Anzahl an Programmplätzen pro Jahr zur Verfügung. Dies kommt daher, dass jedes im Verlag veröffentlichte Buch ein „Rund-um-Programm“ erhält. Von Lektorat bis Marketing – die Bücher wandern durch alle Abteilungen. Oft sind die Programmplätze bereits zwei bis drei Jahre im Voraus ausgebucht. Wenn nun die 10 Top-Autoren des Verlages ein neues Buch planen, sind diese Programmplätze schon belegt. Weiter sind vielleicht eigene Buchideen im Verlag entstanden oder es wurde eine Buchidee aus unserem Netzwerk an den Verlag herangetragen. Und schon sind alle Programmplätze besetzt und es gibt für den Verlag keinen Platz mehr zum Experimentieren und Ausprobieren mit Neu-Autor/Innen.

 

Das Thema passt nicht in den Verlag.

Jeder Verlag hat einen thematischen Schwerpunkt. Nur weil es „auch ein Ratgeber“ oder „auch ein Roman“ ist, muss das Buch noch lange nicht in den Verlag passen. Weshalb gibt es diese strenge Sortierung? Ein Beispiel aus unserer Verlagsgruppe: Es ist sehr viel einfacher z.B. einen buddhistischen Titel aus dem Theseus Verlag bei den Buchhändler/Innen zu bewerben, als denselben Titel im Lebensbaum Verlag. Theseus hat bereits einen Namen als Verlag für fernöstliche Kultur und die BuchhändlerInnen wissen, dass sie hier Titel zu dem Thema finden. Zudem finden die Verlagsvertreter schnell einen Anknüpfungspunkt zu anderen bereits bestellten Titeln. Eine Sortierung macht daher durchaus Sinn.

 

Das Thema wurde bereits im Verlag behandelt.

Doch auch zu ähnlich sollte das Buch einem bereits veröffentlichten Titel im Verlagsprogramm nicht sein. Nehmen wir an, vor einem Jahr wurde bereits ein Buch zum Thema Tierkommunikation veröffentlicht. Es ist unwahrscheinlich, dass dann in kürzester Zeit ein zweites Buch zu diesem Thema von einem anderen Autor / einer anderen Autorin im Verlag aufgenommen wird. Die Befürchtung ist, dass beide Titel miteinander konkurrieren könnten.

 

Die Zielgruppe ist zu klein.

Oft ist ein Buch sehr relevant für eine bestimmte Leserschaft. Doch wenn diese zu klein ist, lohnt es sich für den Verlag nicht, dieses Buchprojekt weiter zu verfolgen. Der Aufwand im Verlag (Lektorat, Korrektorat, Gestaltung, Marketing, Vertrieb,…) muss schließlich gerechtfertigt sein. Ein Titel zum Thema „Vogelbeobachtungen an Sonntagen im Rudolf-Oetker-Park“ ist vielleicht für eine Handvoll Bielefelder Ornithologen interessant, doch würden die Verkaufszahlen voraussichtlich nicht den vorangehenden Aufwand rechtfertigen.

 

Unwirtschaftlichkeit des Buches.

Ja, wir müssen es einmal klar aussprechen: Auch ein Verlag muss wirtschaftlich arbeiten. Auch wenn viele Bücher Herzensprojekte sind und hauptsächlich ideellen Wert haben, muss das Gesamtergebnis des Verlages trotzdem positiv sein. Auch bei uns sitzen Mitarbeiter/Innen, die nicht nur von schönen Büchern leben, sondern ihr tägliches Brot verdienen müssen. Daher ist auch dies ein wichtiges Thema, weshalb ein – ansonsten vielleicht sehr schönes Buch – abgelehnt werden könnte. Faktoren können sein, dass die Produktion zu teuer wird (z.B. weil Bilder illustriert oder fotografiert werden müssen, ein Ghostwriter engagiert werden muss oder ähnliches), die Marge zu gering ist (d.h. das ein realistischer Ladenpreis für das Buch nicht genug Marge zulässt, um die Kosten zu amortisieren) oder die Leserschaft zu klein ist (es werden nicht genug Bücher verkauft, um die Kosten zu decken – siehe vorherigen Punkt).

 

All diese Faktoren sind wichtig, um bei einem Verlag aufgenommen zu werden. Vertrauen Sie daher nicht nur auf ein gut geschriebenes Manuskript.

 

Nun haben Sie schon viel über die Hintergründe der Verlagswelt und das Einsenden eines Manuskriptes erfahren. Doch was können Sie tun, wenn Sie eben nicht selbst veröffentlichen möchten, sondern zu den 0,01 % gehören möchten, die durch eine Initiativeinsendung ihren Weg in den Verlag finden? Hierzu erfahren Sie in dem nächsten Blogbeitrag am 22.11.2017 mehr.