Was ist bei eine Übersetzung zu beachten? Andreas Klatt gibt Auskunft

30/09/2016 – Expertenrat

 

Das eigene Buch in verschiedenen Sprachen zu verbreiten, das ist der Traum eines jeden Autors / einer jeden Autorin. Hierzu unabdingbar ist ein/e gute/r ÜbersetzerIn. Ein/e ÜbersetzerIn zeigt Feingefühl für den Text, den Autor/die Autorin und die Sprache. Grund genug, heute alle ÜbersetzerInnen zu Ehren, die uns Tag ein, Tag aus bei der Verwirklichung unserer Träume helfen. Denn heute ist Internationaler Übersetzertag. Dieser Feiertag wurde bereits 1954 ins Leben gerufen, um die internationale Gemeinschaft der Übersetzer zu stärken und den Beruf zu Ehren. Daher führen wir heute ein Experteninterview mit Andreas Klatt, Lektor, Autor in der Pressearbeit und – nicht zuletzt – Übersetzer.

 

Welches Buch hat Sie in letzter Zeit besonders gefesselt?

„Das Ende der Megamaschine. Geschichte einer scheiternden Zivilisation“ von Fabian Schindler. Der Titel ist etwas sperrig. Und auch das Cover wird es in einem Schönheitswettbewerb wohl niemals auf einen der ersten Ränge schaffen. Aber es liest sich mitunter wie ein Thriller, in dem Schicht um Schicht  die komplexen Zusammenhänge der Welt entblättert werden, wie sie sich uns heute präsentiert: als eine Zivilisation, die alles auf eine Karte gesetzt hat. Und in allen Belangen einer Logik von Wachstum und Herrschaft folgt. Obwohl offensichtlich scheint, dass wir beim Erschaffen eines friedlichen, glücklichen Zusammenlebens als Weltgesellschaft umzuschwenken haben, ist eine Maschinerie am Werk, die Änderungsvorschläge abschmettert mit Argumenten wie „Das vernichtet Arbeitsplätze“ oder „Grundeinkommen? Das kann nicht funktionieren“.

Ich finde es wirklich nicht einfach, da den Überblick zu behalten und eine Position zu finden, die utopisch zu träumen wagt und gleichzeitig anschlussfähig bleibt in einer Kultur, die sich nachvollziehbarer Weise auf Bewährtes verlassen möchte. Der Autor zeigt ohne langatmiges Geschwafel auf, wann die Menschheit diese Megamaschine selbst erschaffen hat – schon im Römischen Reich – und wie sie nach dem Mittelalter so ein Eigenleben entwickeln konnte, dass Wandel gegen sie kaum anzukommen scheint. Mit Betonung auf dem „kaum“: Am Ende des Buches geht es darum, wie wir eben doch eingreifen können.

 

Gibt es einen Lieblingsort zum Lesen für Sie?

Am liebsten in einem schönen, lebendigen Café, in dem es gerne trublig zugehen darf. Und seit diesem Sommer auch in einer Hängematte, die ich gerne auf einem Kirchenvorplatz in Bielefeld aufhänge.

 

Haben Sie eine besondere Vorliebe für ein bestimmtes Genre?

Ich lese gerne Romane, die den Zeithorizont eines ganzen Lebens aufspannen und sich damit beschäftigen, wie in kleinen, unscheinbaren Begebenheiten etwas passieren kann, das uns immer wieder in Staunen versetzt und dazu auffordert, den eigenen Träumen zu folgen und an Dinge zu glauben, statt in einen grauen Trott zu verfallen.

 

Welche/n Autor/in möchten Sie gerne einmal kennenlernen?

Benedict Wells. Er ist noch jünger als ich, gerade einmal 32, und als ich seinen Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ gelesen habe, konnte ich wirklich nicht fassen, dass jemand in diesem Alter so anschaulich über Lebensphasen schreiben kann, die er selbst noch nicht erlebt hat. Beeindruckend, was die Fantasie alles zu leisten im Stande ist!

 

Was sind die Aufgaben eines Übersetzers?

Als Übersetzer bekomme ich englische oder französische Texte geschickt – das können Liebesgeschichten sein, oder aber auch Newsletter oder ein Psychologielehrbuch. Abwechslung ist also, was den Stoff angeht, gewiss. Und dann geht es darum, eine Entsprechung im Deutschen zu finden, die sich eben nicht „übersetzt“ anhört. Das bringt so manche Knobelei mit sich: Wenn ich zum Beispiel ein Rezept aus dem Französischen übersetze und der Begriff „Crème Anglaise“ taucht auf, stellt sich die Frage: Kann ich dieses Wort als bekannt voraussetzen? Da braucht es so etwas wie einen verbalen Tastsinn, die Bereitschaft, immer wieder nach kreativen Lösungen zu suchen und so ein Werk zu erschaffen, das die Intention des Originals angemessen in deutscher Sprache wiedergibt

 

Welche Dienstleistungen bieten Sie dazu konkret an?

Ich biete vor allem klassische Übersetzungen an, aber es kann auch vorkommen, dass ein bereits übersetzter Text auf seine Angemessenheit hin überprüft werden soll. Mit anderen Worten: Auch das Lektorat eines übersetzten Textes fordert dazu auf, sich nicht mit der erstbesten Lösung zufrieden zu geben, sondern auch auf Raffinessen zu achten, die zusammengenommen eben den ureigenen Stil eines Werkes ausmachen. Ich habe auch mal ein Buch von Paul Ferrini aus dem Amerikanischen übersetzt, das war sogar das erste überhaupt, und darin gab es auch Gedichte. Das ist sicher die Königsdisziplin, weil Poesie ja auf engstem Raum mit Bedeutungsnuancen spielt. Eine Herausforderung, die Spaß macht.

 

Nach welchen Kriterien sollte sich ein Autor / eine Autorin ihre/n ÜbersetzerIn aussuchen?

Es kann sinnvoll sein, darauf zu achten, ob der Übersetzer seinen Schwerpunkt bisher auf Belletristik oder auf Sachbücher gesetzt hat und ob das zu dem eigenen Projekt passt. Bei guten Übersetzern ist manchmal auch eine gewisse Wartezeit in Kauf zu nehmen, da sich Qualität natürlich herumspricht und für eine gute Auftragslage sorgt. Aber ich würde sagen: Etwas warten lohnt sich definitiv, wenn ansonsten die Chemie stimmt!

 

Welche Überlegungen sollten sich AutorInnen vor dem Gespräch mit ihm aufstellen?

Informativ ist natürlich stets ein Exposé, in dem die Grundzüge des Projektes dargelegt sind. Man sollte sich danken gemacht haben, wie viel Zeit für die Übersetzung zur Verfügung steht und wie es um den finanziellen Rahmen bestellt ist. Alles weitere kann sich dann im Gespräch finden.

 

Welche 3 Tipps geben Sie AutorenInnen?

Lassen Sie sich nicht zu schnell entmutigen! Wenn das Projekt wirklich reif ist, werden sich immer Wege finden, Hindernisse gut zu überwinden und daran zu wachsen. Und Improvisationstheater ist eine tolle Gelegenheit, sich spielerisch einen gewissen Mut zum Scheitern anzutrainieren -  die Fähigkeit, Besorgnisse loszulassen und sich einfach spontan auf jeden Moment neu einzulassen, Impulsen zu folgen und Geschichten zu erzählen. Also sozusagen ein Yoga für den Geist, das uns darin übt, auch im Alltag mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und überall Geschichten zu sehen.

 

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