Mit der Heldenreise zum eigenen Buch und zur Berufung – Interview mit Stefan Schwidder

26/05/2017 – Expertenrat

 

Kurzvita:

Stefan Schwidders Ziel als Autor, Seminarleiter und Wegbegleiter ist es, Menschen zu ermutigen und zu inspirieren, ihrer tiefsten Sehnsucht zu folgen, ihre Botschaft in die Welt zu bringen und damit eine erfüllte, erfolgreiche Tätigkeit auf- oder auszubauen. Gemeinsam mit seiner Frau Bettina unterstützt er sie, die Expertise ihrer Erfahrungen und ihrer persönlichen Transformation als Buch und über die eigene Website weiterzugeben.

 

Lieber Herr Schwidder, mit Ihrer „biografischen Heilarbeit“ bieten Sie unter anderem die Heldenreise an. Was kann man darunter verstehen?

„Die Heldenreise“ beschreibt eine archetypische Grundstruktur von Geschichten, die eng mit unserem eigenen Leben zusammenhängt. Sie taucht nicht nur in allen Mythen und Sagen der Weltliteratur auf, sondern prägt auch moderne Romane und Filme – sie beschreibt Abläufe, Muster und Funktionen, die wir alle selbst immer wieder erleben. Die Kenntnis der Heldenreise hilft uns somit, unser eigenes Leben besser zu verstehen, alte Begrenzungen zu sprengen und selbstbestimmt unseren einzigartigen Weg zu gehen.

In unserem Angebot vermitteln wir vor allem die wertvollen Zusammenhänge zwischen der „Heldenreise“ und der ganz persönlichen Situation – den Herausforderungen, Erfahrungen, Visionen und Zielen – der Teilnehmenden. Sie stellen damit ihr Schreiben auf ganz neue Beine und finden eine viel größere Klarheit darüber, was sich in ihrem Leben noch entfalten möchte.

 

Wie kann die Heldenreise heilende Wirkung entfalten?

Die symbolischen Muster und Funktionen der „Heldenreise“ lassen sich ganz praktisch auf den eigenen Alltag übertragen: Indem ich die Heldenreise verstehe, erfahre ich viel über mich selbst – ich verstehe mein Leben ganz neu, komme zu hilfreicheren Interpretationen meiner Vergangenheit und setze dadurch nicht nur bisher gebundene Kräfte und Potenzial frei, sondern heile und wachse im besten Falle auch. Zudem werde ich auf gewisse Art und Weise zu einem „Leuchtturm“ für andere Menschen, die ich mit meinem Beispiel ermutige und inspiriere.

Zum Beispiel begegnen den Heldinnen und Helden auf ihrer Reise immer wieder „Schwellenhüter“ – mächtige Wesen, die ihnen den Weg versperren. In unserem Leben sind dies jene Dinge, Umstände oder Menschen, die uns auf den ersten Blick am Weiterkommen hindern. Das ruft in der Regel unseren Widerstand auf den Plan. Die psychologische Funktion der „Schwellenhüter“ ist es jedoch, die Heldinnen und Helden zu überprüfen, ob sie wirklich vorankommen wollen – sie stellen somit eine Aufforderung zu Wachstum und zur Erweiterung bekannter Strategien dar. Indem wir also solche „Prüfungen“ auf unserer eigenen Reise annehmen und bewältigen, wachsen wir und gewinnen neue Kenntnisse und Kräfte hinzu.

Vor allem aber zeigt die Heldenreise uns, dass die Heldinnen und Helden den Schatz, für den sie aufgebrochen sind, an der tiefsten und herausforderndsten Stelle gewinnen. Rainer Maria Rilke hat einmal gesagt: „Unsere größten Ängste sind die Drachen, die unsere tiefsten Schätze bewahren.“ Dort, wo wir normalerweise in uns selbst nicht hinschauen mögen, sitzt unser größtes Potenzial „gefangen“. Indem wir uns den „Drachen“ stellen und sie schließlich überwinden, gewinnen wir etwas sehr Kostbares zurück: den Zugang zu unserem wahren Kern, zu Kreativität, Lebendigkeit, Stärke, Selbstvertrauen und Verbundenheit. Das ist eine wunderbare Nachricht, denn sie zeigt, dass unsere Krisen gleichzeitig die Eintrittskarten zu unserer wunderbaren Größe sind und uns viel über unsere Bestimmung oder Berufung verraten. Es geht bei der Heldenreise also nicht darum, das zu bekommen, was man haben möchte, sondern um das, was und wer man werden muss, um es zu erreichen.

 

Wie läuft so eine Heldenreise ab?

Die klassische Heldenreise besteht aus mehreren aufeinander folgenden Schritten, die wir in ihrer Bedeutung und Funktion genau kennenlernen. Im Mittelpunkt steht dabei immer der Praxistransfer auf das eigene Leben: Was nützen mir die Erkenntnisse für meinen Alltag, für meine Beziehungen, für mein Schreiben oder für meinen Beruf? Wie kann ich das Erlernte konkret einsetzen und anwenden, damit ich die bestmöglichen Ergebnisse erziele?

Durch intensive, praktische Übungen und Anwendungsimpulse können sich die Teilnehmenden in einem geschützten, vertrauensvollen Rahmen mit bestimmten Aspekten ihres Lebens noch einmal ganz neu verbinden und so – wie die Heldinnen und Helden der Geschichten – ihre ganz persönlichen Schätze entdecken und für ihren weiteren Weg aktiv nutzen. Oft steht eine tiefe Selbsterkenntnis am Ende der Reise – und eine Gewissheit, wie der künftige Weg aussehen soll.

 

Warum halten Sie es für wichtig, sich seiner Biografie zu stellen und diese aufzuarbeiten?

Wirkliche Heilung und Wachstum führen über Bewusstwerdung: Indem ich zurückschaue und Dinge besser verstehe, anders interpretiere und Zusammenhänge erkenne, die mir bislang verborgen geblieben waren, verändert sich mein gegenwärtiges Selbstbild, meine Wahrnehmung, mein Verständnis und der Blick auf mein Leben. Dadurch kann ich den Weg, der noch vor mir liegt, leichter und mit größerer Klarheit, mit mehr Zuversicht, innerer Stärke und Selbstvertrauen gehen. In meinen Augen ist Biografiearbeit daher etwas durch und durch Vorwärtsgewandtes.

Wir können so auch erkennen, wie bestimmte Prägungen und Erfahrungen zu Verhaltensmustern geführt haben und sich dadurch in uns oft sehr begrenzende Glaubenssätze ausbilden konnten, die uns in immer gleichen Problemen oder Erfahrungsschleifen halten. Dies zeigt sich zum Beispiel in Sätzen, die mit „Immer passiert mir …“ oder „Schon wieder habe/muss ich …“ beginnen. Es lässt sich mit erstaunlicher Präzision voraussagen, wie unser Leben weiterlaufen würde, wenn wir nichts veränderten – für viele ist das keine angenehme Vorstellung. Mit dem neu erworbenen Bewusstsein besteht nun die Möglichkeit, Dinge gezielt und nachhaltig anzupassen und so eine Zukunft zu gestalten, die unserem wahren Wert und unserem eigentlichen Wesen viel eher entspricht.

Schließlich geben wir – genau wie die Helden und Heldinnen, die nach erfolgreicher Heldenreise mit dem Schatz in ihre Gemeinschaft zurückkehren und ihn dort zum Gewinn aller teilen – den Schatz unserer Erfahrungen an andere weiter. Das können Kinder und Enkel sein, aber auch Leser und Leserinnen des eigenen Buches, Besucher der eigenen Website oder potenzielle Kunden, wenn die Erkenntnisse und die persönliche Botschaft im beruflichen Rahmen eingesetzt werden.

 

Wie kann eine Heldenreise auch AutorInnen helfen, die keine Autobiografie schreiben möchten?

Die Heldenreise ist die Grundlage vieler erfolgreicher Bücher oder  „Blockbuster“ im Kino – von „Star Wars“ über „Harry Potter“ bis hin zum „Herrn der Ringe“. Mit diesem Modell lassen sich packende Geschichten erzählen und faszinierende Protagonisten mit einem hohen emotionalen Identifikationsgrad erschaffen – vor allem aufgrund ihrer archetypischen Gültigkeit, die, eben weil sie unser eigenes Leben mit allen Höhen und Tiefen abbildet, bis heute nichts von ihrer Stärke verloren hat.

(Auto)biografische Erfahrungen und fiktionale Texte, die wir schreiben, bilden auch hierbei eine kraftvolle Einheit: Je besser wir selbst unsere eigene Lebensgeschichte verstehen, desto kraftvollere Geschichten schreiben wir. Das, wofür wir innerlich brennen – unsere Begeisterung, unsere tiefste Sehnsucht oder unsere stärkste Überzeugung – wird im besten Fall zur „Prämisse“ unserer Geschichte, die wir schreiben, zu unserer inspirierenden und andere Menschen „ansteckenden“ Botschaft.

 

Was begeistert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?

Ich bin immer wieder fasziniert, wie perfekt und präzise es die „Heldenreise“ Menschen ermöglicht, Zusammenhänge im eigenen Leben zu erkennen, alte begrenzende Muster oder sogar Leid zu lösen und aktiv neue, aufregende Wege zu entwerfen und zu gestalten. Oft bin ich zutiefst berührt über die großartige Transformation, die in einem  Menschen, den ich begleiten darf, sichtbar und erlebbar wird. Welche Veränderung in der Energie und Schwingung eines Menschen in kurzer Zeit geschieht – und wie Augen plötzlich leuchten, wenn der Kern, die Essenz, getroffen worden ist! Wie „Berufung“ spürbar wird. Wie in Seminaren die gesamte Gruppe davon profitiert. Das sind beeindruckende Momente voller Magie und Zauber. Dass ich dabei als Wegbegleiter und Impulsgeber auslösend mitwirke, macht mich ausgesprochen dankbar – ich kann mir keine erfüllendere Arbeit vorstellen.

 

Sind Sie persönlich auch als Autor tätig geworden?

Mit meinem Ratgeber „Ich schreibe, also bin ich – Schritt für Schritt zur eigenen Biografie“ habe ich inzwischen mehreren Tausend Menschen Impulse, Tipps und praktische Übungen an die Hand gegeben,  wie sie von der ersten Ideen bis zum fertigen Buch ihr Leben aufschreiben und in Buchform bringen können. Etwa 50 Biografieprojekte habe ich persönlich betreut und in Form eines Buches als Biograf und Lektor veröffentlicht.

Zurzeit arbeite ich an zwei größeren biografischen Buchprojekten und unterstütze rund ein Dutzend Menschen individuell, ihren ganz eigenen „Ruf“ wahrzunehmen, ihrer Sehnsucht zu folgen und ihre Lebenserfahrungen, ihre Visionen und ihre Expertise als Buch oder als Angebot ins Leben zu bringen. Mit meiner Frau Bettina, die als Webdesignerin arbeitet, helfen wir Menschen auf Wunsch auch, ihre Expertise als Autorenblog oder Website sichtbar zu machen.

 

Welche 3 Tipps würden Sie AutorInnen mit auf den Weg geben?

Ich habe zwei Tipps zum Schreibprozess und einen für deine Persönlichkeitsentfaltung mitgebracht:

  1. Schreibe über das, was dich emotional berührt oder begeistert. Die Erfahrung zeigt: Deine Texte werden nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich deutlich besser – und das nahezu von alleine –, wenn du dich mit deiner höchsten Vision, deinen bewegendsten Erlebnissen, deinen stärksten Erfahrungen oder deiner größten Sehnsucht verbindest.
  1. Mach dir klar, welche Botschaft du für die Welt hast. Beim Schreiben – egal ob fiktional oder biografisch – geht es darum, andere Menschen zu erreichen, sie für dich zu gewinnen, sie zu inspirieren und zu ermutigen. Verdeutliche klar, worum es dir im Herzen geht – und was andere durch deine Texte für sich und ihr eigenes Leben gewinnen oder „mitnehmen“ können.
  1. Schau noch einmal die Herausforderungen, Hürden oder Krisen in deinem Leben an und frage dich:
  • Wie kann ich diese Erfahrung nutzen, um voranzukommen?
  • Welche neuen Blickwinkel und Erkenntnisse über mich selbst ermöglichen sie mir?
  • Auf welcher Ebene stärken sie mich?
  • Welchen „Schatz“ kann ich darin entdecken?
  • Inwiefern kann ich das, was ich erkenne und verstehe, anderen zugänglich machen?
     

Du nutzt somit alles, was geschieht, für deinen weiteren Weg und stärkst gleichzeitig Schritt für Schritt das Fundament deines Schreibens.

 

Welche Veranstaltungen bieten Sie demnächst an?

Alle Seminare und 1:1-Angebote sind auf unseren Seiten www.stefan-schwidder.com und www.biografische-heilarbeit.de zu finden.

 

Gibt es Pläne, die innere Stärke von AutorInnen weiter zu unterstützen?

Wir entwickeln gerade ein neues Angebot zu dem Thema „Glaubenssätze transformieren und Fülle erschaffen“, da beide Aspekte ja immer wieder im Prozess des Schreibens und Veröffentlichens auftauchen – wer mehr dazu erfahren möchte, kann uns gerne eine entsprechende Nachricht schicken (coaching@stefan-schwidder.com).

Und wir freuen uns, heute auf diese Weise als Premiere (!) bekanntgeben zu können, dass wir in Zusammenarbeit mit der J. Kamphausen Mediengruppe gerade eine neue Autorenakademie ins Leben rufen – Start wird voraussichtlich diesen Herbst sein. Interessierte können sich unter meinbuch@kamphausen-academy bereits jetzt melden, wir versenden nähere Informationen, sobald die Akademie ihre Pforten öffnet.