"Wer, wenn nicht ich" Interview mit Anna Gamma

28/02/2019 – Autoren im Focus

Kurzvita:

Anna Gamma, Dr. phil., Psychologin, Mitglied des Katharina-Werks, war von 2000 bis 2012 Geschäftsleiterin des Lassalle-Instituts. Sie erhielt 2003 von Niklaus Brantschen und Pia Gyger in der Glassman-Lassalle-Zen- Linie die Zen-Lehrbefugnis und wurde 2013 zur Zen-Meisterin ernannt. Anna Gamma ist eine gefragte Seminarleiterin, Executive Coach, Unternehmensberaterin, Referentin und Autorin.

annagamma.ch

 

 

Was ist Ihr Lieblingsort zum Schreiben?

Ich schreibe am Liebsten in meinen eigenen vier Wänden.

 

Was hat sie dazu bewogen, ein Buch über individuelle und kollektive Heilungsprozesse zu schreiben?

In meiner eigenen therapeutischen Arbeit und in der Begleitung von Menschen habe ich feststellen müssen, dass der individuelle Heilungsprozess manchmal nicht abgeschlossen werden kann, ohne dass gleichzeitig auch das Kollektiv in den Blick genommen wird. Wir stehen mit unseren Verletzungen nicht allein da. Es gibt einen kollektiven Schmerzkörper, ein „Feld“ das wirksam ist und auf das wir einwirken können.

Die zweite Motivation hat mit dem Privileg zu tun, in einer lang andauernden Friedenszeit leben zu können. Ich sehe dieses Privileg als Verpflichtung, uns an Orten zu engagieren, in denen Kriegswunden noch nicht heilen konnten. Denn Traumen haben die Tendenz, sich zu wiederholen, wenn sie nicht geheilt werden. Wir sind den täglichen Schreckensmeldungen nicht einfach ausgeliefert.

 

In „Wer, wenn nicht ich“ sprechen Sie auch über eigene Selbstheilungserfahrungen. Was ist Ihrer Ansicht nach der erste nötige Schritt, um den Heilungs- und Versöhnungsprozess in die Wege zu leiten?

Ein erster wichtiger Schritt besteht in der Bereitschaft, mit einem klaren Geist hinzuschauen und zu akzeptieren, dass Verletzungen geschehen sind. Es ist ebenso wichtig, einen sicheren, annehmenden Raum zu gestalten, damit Heilungsprozesse möglich werden.

 

Die globale Krisen- und Katastrophenlage ist beinah unüberschaubar. Viele Menschen wollen helfen, wissen aber nicht, wie. Was können wir im ersten Schritt gegen diese Ohnmacht tun?

Auf uns allein gestellt sind wir in kollektiven Krisen überfordert. Es ist wichtig, sich mit Gleichgesinnten zusammen zu tun. In meinem Buch habe ich verschiedene Mediationen aufgenommen, die in einer Gruppe praktiziert werden können.

 

Welche Erfahrungen beim Schreiben waren für Sie besonders prägend?

Ich liebe es, nach den stimmigen Worten zu suchen, die das zum Ausdruck bringen, was ich gerne sagen möchte. Diese „Feinarbeit“ macht viel Freude.

 

Was hilft Ihnen bei Schreibblockaden oder kennen Sie derartiges nicht?

Vor Jahren hatte ich eine massive Schreibblockade. Der Rat einer Freundin half mir, diese und alle weiteren Blockaden zu überwinden. Ich schreibe weiter, wenn ich meine, dass es nicht mehr geht und verbiete mir, die Delete-Taste zu benutzen. Den Text lasse ich unkorrigiert mindestens einen Tag lang stehen. Meistens stellt es sich heraus, dass die Formulierungen durchaus brauchbar sind.

 

Welche Ihrer Erkenntnisse sind besonders wertvoll für Neu-AutorInnen?

Ich lasse den Text von verschiedenen Leuten lesen und kommentieren.

 

Welche Unterstützung durch tao.de war für Sie besonders hilfreich?

Auf alle Fragen und Anliegen bekam ich postwendend Antwort. Das TAO Team ist ausgesprochen hilfreich!

 

Sie sind als Autorin schon seit vielen Jahren sehr aktiv. Dürfen wir in naher Zukunft auf ein weiteres Buch von Ihnen hoffen?

Ich bin zurzeit an einem nächsten Manuskript, sozusagen eine Fortsetzung des Buches „schön, wild und weise.“

 

 

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