"Lebensqualität schaffen" - Interview mit Claudio Weiss

23/05/2018 – Autoren im Focus

Kurzvita:

Geboren in Argentinien, aufgewachsen in Deutschland und die längste Zeit meines Lebens wohnhaft in der Schweiz, lebe und wirke ich als multikultureller Mensch mit Hirn, Herz und Humor, getrieben von einer lebenslangen Leidenschaft für die Frage: Wie funktionieren wir Menschen und was können wir daraus für unser aller Lebensqualität machen? Mein Ausbildungsweg - humanistisches Gymnasium, Studium der Psychologie und Philosophie, Assistent und Promotion am Psychologischen Institut der Uni Zürich, Projektleiter in einem Marktforschungs-Institut hat mich dabei bestens unterstützt. Seit 1985 berate und bilde ich als Einzelfirma - Dr. Claudio Weiss, awareness management -  Führungs- und Fachkräfte in den Bereichen Leadership, Überzeugen, Verhandeln, Selbstentwicklung, Kulturentwicklung, Teamqualität, Leistungsqualität und Identität. Seit 1986 bin ich als Senior Associate Consultant und Partner eng mit Egger, Philips + Partner AG in Zürich verbunden. Seit 2002 widme ich mich intensiv der Erforschung, Messung und richtigen Nutzung von unterschiedlichen Mentalitäten, Wertewelten und berufsbezogenen Neigungen. Daraus hervorgegangen ist das Online Tool awaremem® Motivatoren-Spiegel (Englisch: awaremem® motivators radar), ein Kompass für berufliche Erfüllung, das Herzstück und die Basis meiner Laufbahnberatungen. Seit 2014 gibt es den Berufungskompass für junge Menschen (BKJM), der Jugendlichen hilft, ihren für sie passenden Weg zu finden. Seit 2015 bilde ich Berufungs- und Motivationscoaches aus, die mit meinen Online Tools arbeiten.

 

 

 

Was ist Ihr Lieblingsort zum Schreiben?

Sie werden lachen: Ein schattiger Platz in einem sommerlich warmen, mediterranen, duftenden Pinienhain mit kräftigem Grillengezirpe und einem weiten Blick über das tiefblaue Meer. Aber das kam bis jetzt in meinem Leben nur ganz, ganz selten vor. Zum Glück schreibe ich auch mit Genuss in meinem Büro, vorzugsweise am späten Abend.

 

Wann ist der Gedanke gereift, ein Buch zum Thema Lebensqualität zu schreiben?

Der Gedanke reifte allmählich, im Laufe von Jahren. Seminarteilnehmer hatten mich immer wieder ermuntert, meine Erkenntnisse in Buchform zugänglich zu machen. Anfang 2015 verschaffte mir dann ein Auftragsausfall das notwendige Zeitfenster, um mal einen ersten Entwurf zu Papier zu bringen. Nach einer aufwendigen Übersiedlung in einen anderen Wohnort nahm ich mich 2016 des Buchprojektes wieder an, fügte noch zwei Kapitel hinzu und überabeitete den ursprünglichen Entwurf. 2017 machte ich mich dann an die Veröffentlichung, die dann 2018 erfreulicherweise bei tao.de erfolgte. Rückblickend ist dabei interessant, dass zuerst die einzelnen Kapitel da waren. Der Titel “Lebensqualität schaffen” entstand erst 2017, zum einen aus der Beobachtung, dass trotz all der rasanten technologischen Entwicklungen – Stichwort Digitalisierung – der Durst vieler Menschen nach echt empfundener Lebensqualität in keiner Weise gestillt wird, zum anderen aus der Erkenntnis, dass sämtliche Inhalte meines Buches dazu geeignet sind, diesen Durst stillen zu helfen.

 

Würden Sie „Lebensqualität schaffen“ als ein Lehrbuch für das richtige, erfüllte Leben bezeichnen?

Na ja, ein “Lehrbuch” würde ich es wohl nicht nennen, denn zumindest für mich hat das Wort “Lehrbuch” den Beigeschmack: Genau so musst Du es machen - eben nach Lehrbuch! Gerade was das “erfüllte Leben” anbetrifft, gibt es mich keine allgemein gültigen Erfolgsrezepte, denn jeder Mensch ist einzigartig und jede Lebenssituation ist einmalig. Wohl aber gibt es – und davon handelt dieses Buch – in unserer menschlichen Natur verankerte Gesetzmässigkeiten, die uns Klärung und Orientierung bieten, was ein “erfülltes Leben” gerade für uns ausmachen kann, uns was uns helfen könnte, diese Gesetzmässigkeiten gerade in unserer derzeitigen Lebensphase anzuwenden. Also “Lehrbuch” im engeren Sinne, nein, aber, wenn Sie so wollen, “Aufklärungsbuch und Impulsgeber für die Steigerung von Lebensqualität, individuell und kollektiv”, allemal ja.

 

Warum passt Ihr Buch besonders gut in unsere heutige Zeit?

Unsere Zeit ist verliebt in Daten und Quantitäten. Was dabei vielfach auf der Strecke bleibt, sind Werte und Qualitäten. Diese Halbheit nagt an unser aller Lebensqualität. In dem Buch zeige ich auf, dass Werte und Qualitäten genauso rational nachvollzogen und wirkungsvoll umgesetzt werden können wie Daten und Quantitäten. Insofern leuchtet mein Buch Potenziale aus, die in unserer heutigen Zeit unterbelichtet sind. Ich würde mich freuen, wenn mein Buch dazu beitragen würde, diese derzeitige Schieflage auszugleichen.

 

Gibt es Ihrer Meinung nach reale Grenzen für die Selbstentfaltung oder existieren diese nur in unseren Köpfen?

Auf diese Frage bin ich zunächst geneigt, mit dem Anfang eines Radio-Eriwan-Witzes zu antworten: “Im Prinzip ja, aber …”. Die Frage hinter Ihrer Frage lautet wohl: Was wollen wir unter “Selbstentfaltung” verstehen?. Und dahinter steht letztendlich die Frage: Wer oder was ist unser Selbst? Wenn wir uns selbst als Menschenwesen verstehen, die einerseits draussen in der Welt leben und dort Tag für Tag aktiv sind, andererseits in ihrer inneren, spirituellen Dimension mit dem allgegenwärtigen, unendlichen Sein verbunden sind, gibt es auf Ihre Frage wohl zwei ganz unterschiedliche Antworten: Was unsere innere, spirituelle Selbst-Erkenntnis anbetrifft, existieren Grenzen nur im Kopf. Hier sind alle Begrenzungen - dazu gehören auch  gedankliche Vorstellungen - nur Täuschungen, die irgendwann einmal ent-täuscht werden. Was unsere äussere Selbst-Entfaltung in der Welt anbetrifft, hat mich das Leben gelehrt, Grenzen anzuerkennen, die nicht primär in unseren Köpfen, wohl aber in unserem individuellen “Selbst”, also in unserer jeweiligen, individuellen Eigenart zu verorten sind. Jeder von uns ist einmalig und einzigartig. Das ist ein Naturwunder. Keiner von uns ist in seiner jeweiligen Eigenart mehr oder weniger wert als ein anderer, ebensowenig wie eine Palme nicht mehr oder weniger wert als eine Birke ist. Selbstentfaltung bedeutet, dass jeder von uns seine individuelle Einzigartigkeit zur vollen Entfaltung bringt und gerade dadurch seinen grösstmöglichen Beitrag zu seiner Mitwelt leistet. Eine begnadete Pianistin sollte ihre Mitmenschen am Flügel beglücken. Sie muss nicht auch noch Chirurgin werden. Giraffen brauchen nicht zu klettern. Das machen Affen. Es gibt aber in unserer Welt sehr traurige und weit verbreitete Grenzen für Selbstentfaltung, die nicht in unseren Köpfen existieren, leider aber in gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wurzeln: Wie viele Menschen können oder dürfen auf Grund wirtschaftlicher, politischer oder kultureller Begrenzungen ihre Potenziale nicht entfalten? Dass man auch im 21. Jahrhundert noch wegen seiner Herkunftsfamilie, weil man eine Tochter ist oder zu einer bestimmten Ethnie gehört, daran gehindert werden kann, schreit zum Himmel!

 

Welche Erfahrungen beim Schreiben waren für Sie besonders prägend?

Schreiben zwingt zum kohärenten Formulieren, und das kann man nur, wenn man den Stoff genügend durchdacht hat. Deshalb liebe ich das Schreiben. Schreiben ist für mich, und das klingt vielleicht sonderbar, eine geistige Forschungs- und Erkenntnismethode. Niederschreiben von Gedanken ist wie der Feinschliff an Diamanten.

 

Was hilft Ihnen bei Schreibblockaden und kennen Sie derartiges nicht?

Beim Schreiben meines Buches hatte ich keine Blockaden, denn die Inhalte waren ja bereits vorhanden. Wohl aber haben die Inhalte beim Schreiben noch gedankliche Schärfungen und Ergänzungen erfahren. Meist lasse ich dem Schreiben eine “Inkubatationsphase” vorausgehen, d.h. ich lasse die Inhalte, die ich zu Papier bringen möchte, erst einmal ein Weile in meinem Hinterkopf gären. Dann merke ich: Jetzt ist die Zeit reif. Also setz Dich hin und schreib! Und dann fliesst es, sofern nicht etwas Unvorhergesehenes dazwischen kommt, was meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt und deshalb vom Schreiben abzieht.

 

Welche Ihrer Erkenntnisse sind besonders wertvoll für Neu-AutorInnen?

Gerade die Beantwortung Ihrer letzten Frage bringt mich auf einen Gedanken: Vielleicht spielt es eine Rolle, ob man ein Sachbuch schreiben möchte, dessen Inhalte eigentlich schon erarbeitet sind, oder ob man ein Buchprojekt vor sich hat, dessen Inhalte erst beim Schreiben entstehen. Beispiele für die erste Art Bücher sind wohl wissenschaftliche Abhandlungen, z.B. Dissertationen, oder auch mein Buch “Lebensqualität schaffen”. Beispiele für die zweite Art Bücher sind Romane oder Gedichtbände. Vielleicht hilft es einem Autor, sich klar darüber zu werden, welcher Art sein Buch oder auch ein Teil seines Buches sein soll. Die Herangehensweise ans Schreiben dürfte jeweils eine ganz andere sein.

 

Welche Unterstützung durch tao.de war für Sie besonders hilfreich?

Für mich war die Erfahrung mit tao.de ein wunderschönes Beispiel dafür, wie digitalisiertes, voll automatisiertes Publizieren wirklich wunderbar funktioniert, wenn es sich mit erstklassiger, persönlicher Betreuung verbindet. Ich glaube, gerade in der gekonnten Kombination von Automatisierung von allem, was technisch ist, mit menschlicher Dienstleistung rund um alles, was mit uns Menschen zu tun hat, liegt die Zukunft. Bei meinen ersten Erkundungen auf der Webseite von tao.de ahnte ich noch nicht, auf welch hilfsbereite, freundliche und kompetente Unterstützung ich bei Frau Kim Walla treffen würde. Ich war zwar auf einem “Selfpublishing Portal” gelandet, wusste mich und mein Buch aber in den allerbesten Händen. Vor allem fühlte ich mich von meiner einfühlsamen Ansprechpartnerin echt verstanden, und zwar sowohl in meiner Rolle als Autor als auch mit der Botschaft meines Buches, und nicht zuletzt einfach als Mensch. Was kann sich ein Buchautor mehr wünschen? Meine Erfahrung mit Kim Walla illustriert genau das, was ich im 9. Kapitel meines Buches als die “menschlich vollkommene” – nicht technisch perfekte! – Dienstleistung beschrieben habe.

 

Dürfen wir auf ein weiteres Buch von Ihnen hoffen?

Meine positive Erfahrung mit “Lebensqualität schaffen” hat mir Lust auf mehr gemacht. Zur Zeit geistern bei mir zwei ganz verschiedene Buchprojekte durch den Kopf, die beide am jetzt erschienenen Buch wie Dominosteine anschliessen. Mehr möchte ich heute noch nicht verraten. Ich bin noch in der “Inkubationsphase”.