"Jenseits von Achtsamkeit" Interview mit Stefan Schmitz

23/01/2019 – Autoren im Focus

Kurzvita:

Ich wurde 1959 in Gelsenkirchen geboren und habe Anfang der 1980er Jahre in Trier Psychologie studiert. Bereits während meiner Jugend habe ich die Meditation im Stile des Zen praktizieren gelernt und gegen Ende der 1980er Jahre habe ich meine ersten Vipassana-Kurse besucht. Später wurde das Schreiben von Sachbüchern zu meiner wichtigsten beruflichen Leidenschaft. Mich interessiert dabei vor allem die Verbindung von Psychologie und Spiritualität: Welche psychologischen Erkenntnisse gibt es, die für Menschen auf dem spirituellen Weg hilfreich sein können?

 

 

 

Was ist Ihr Lieblingsort zum Schreiben?

Ich arbeite am liebsten an meinem Schreibtisch bei uns zu Hause. Die meisten Texte, die ich verfasse, schreibe ich erst einmal mit einem Kugelschreiber auf Papier, bevor ich sie dann in den Computer eintippe.

 

Das Konzept der Achtsamkeit ist vor einiger Zeit wieder intensiv ins Bewusstsein der Menschen gerückt. Wann ist der Gedanke in Ihnen gereift, dieses Thema aufzugreifen und ein Buch darüber zu schreiben?

Vor allem durch das Engagement von Jon Kabat-Zinn hat die Praxis der Achtsamkeit vor einiger Zeit breite Schichten der Bevölkerung erreicht, mit durchaus sehr positiven Wirkungen. Als ich bemerkte, dass dabei manche Aspekte der Achtsamkeit, die mir selbst sehr wichtig sind, nur wenig berücksichtigt werden, kam mir die Idee, diese in einem eigenen Buch ausführlich darzustellen. Es handelt sich hierbei hauptsächlich um die psychodynamischen und die spirituellen Aspekte der Achtsamkeit.

 

Wann haben Sie sich das erste Mal mit dem Thema Achtsamkeit auseinandergesetzt?

Mitte der 1970er Jahre hat Erich Fromm in seinem berühmten Werk „Haben oder Sein“ seinen Lesern das Buch „Geistestraining durch Achtsamkeit“ von Nyanaponika zur ergänzenden Lektüre besonders empfohlen. Ich habe dieses Buch damals gekauft und gelesen. Nachhaltig geprägt hat mich damals aber vor allem das Werk „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“ von Peter D. Ouspensky. In diesem Buch wird die Achtsamkeitsschulung der Sufis erläutert, wie sie von Gurdjieff gelehrt wurde.

 

Weshalb ist es Ihrer Ansicht nach so sinnvoll, das Konzept und die Praxis der Achtsamkeit in die therapeutische Arbeit miteinzubeziehen?

Dem Therapeuten hilft Achtsamkeit dabei, mit dem Klienten während der Sitzungen in einem guten unmittelbaren Kontakt zu sein und zu bleiben. Der Klient gewinnt durch Achtsamkeit nach und nach eine gewisse innere Souveränität gegenüber eigenen belastenden Gedanken und Gefühlen. Außerdem wird durch das direkte nichtwertende Gewahrsein des eigenen Erlebens die innerseelische Selbstheilungskraft angeregt.

 

Welche Erfahrungen beim Schreiben waren für Sie besonders prägend?

Es war für mich sehr interessant zu erarbeiten, wie viele verschiedene Methoden der Selbsterfahrung und Psychotherapie bereits Achtsamkeit für sich entdeckt und integriert hatten, lange bevor Kabat-Zinn sein Achtsamkeitstraining entwickelt hat und die Verhaltenstherapie sich für Achtsamkeit zu interessieren begann. Außerdem war es für mich erstaunlich zu entdecken, dass tatsächlich in allen Weltreligionen eine eigene Achtsamkeitspraxis entwickelt wurde – und in manchen von ihnen sogar durchaus unabhängig vom Buddhismus.

 

Was hilft Ihnen bei Schreibblockaden oder kennen Sie derartiges nicht?

Ich schreibe die einzelnen Kapitel nicht in der Reihenfolge, in der sie dann im Buch erscheinen. Gerne schreibe ich erst einmal an einigen Kapiteln, die mir leicht fallen, um gut in die Arbeit hinein zu kommen. Dann widme ich mich denjenigen Kapiteln, bei denen ich besondere Schwierigkeiten erwarte. Wenn ich bei einem dieser Kapitel nicht mehr weiterkomme, unterbreche ich die Arbeit daran und wende mich einem jener übrigen Kapitel zu, das mich jetzt gerade besonders interessiert.

 

Welche Ihrer Erkenntnisse sind besonders wertvoll für Neu-AutorInnen?

Die wichtigste Erkenntnis besteht für mich genau darin, dass es nicht zwingend notwendig ist, ein Buch tatsächlich Abschnitt für Abschnitt von vorne nach hinten zu schreiben, sondern dass man dabei auch hin und her springen kann, von vorderen Abschnitten zu hinteren und wieder zurück.

 

Welche Unterstützung durch tao.de war für Sie besonders hilfreich?

Hilfreich war für mich vor allem, dass tao.de für die Veröffentlichung vorformatierte Vorlagen zur Verfügung stellt, die man sich herunterladen kann. Außerdem war es für mich während des Veröffentlichungsprozesses sehr hilfreich, dass ich bei tao.de stets eine kompetente Mitarbeiterin erreichen konnte, die mir bei entsprechenden Problemen freundlich weitergeholfen hat.

 

Dies ist bereits das vierte Buch von Ihnen, das bei tao.de erschienen ist. Dürfen wir auf eine weitere Veröffentlichung hoffen?

Zurzeit bin ich vor allem damit beschäftigt, mein viertes Buch bekannt zu machen. Aber wenn in meinem Leben ein neues Thema auftaucht, über das zu schreiben mich reizt, dann kann einige Jahre später daraus auch wieder eine neue Veröffentlichung bei tao.de erwachsen.

 

 

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