"Ja ich weiß, aber..." Interview mit Martin Maurer

29/08/2018 – Autoren im Focus

 

Kurzvita:

Martin Maurer wurde am 11. Mai 1970 in Witten geboren und wuchs in Wetter (Ruhr) auf. Im Alter von 29 Jahren zog er mit seiner Familie an den Bodensee und ist seither im Einkauf eines Automobilzulieferers beschäftigt.
Sein erstes Buch „Mein Glück mit dem Glück“ wurde im November 2016 veröffentlicht. Die Natur hat eine große Bedeutung für sein Glück. So wuchs in den letzten Jahren die Erkenntnis, dass die Menschheit etwas ändern muss, um die Natur zu erhalten.

 

 

 

 

 

Was ist Ihr Lieblingsort zum Schreiben?

Einen Lieblingsort in dem Sinne habe ich nicht. Aber da ich nicht gerne am Laptop schreibe, ist der bevorzugte Ort somit der Schreibtisch im Büro, mit Desktop-Computer und großem Bildschirm. Das klingt wenig nach Autoren-Romantik. Bei mir kommt es mehr auf die richtige Stimmung an und das Schreiben ist für mich eine perfekte Ablenkung zum anstrengenden Berufsalltag. Meistens komme ich dann ganz schnell in den Schreibfluss und vergesse die Welt um mich herum.

 

Wann ist der Gedanke gereift, ein Buch zum Thema Umwelt zu schreiben?

Dieser Gedanke kam ehrlich gesagt meiner Frau und nicht mir. Es gibt in meinem ersten Buch ein Kapitel zu dem Thema: Der Mensch und die Umwelt. In den Gesprächen mit meiner Frau hat sie dann erkannt, wie sehr mich dieses Thema beschäftigt. Uns wurde dabei aber auch klar, dass wir viele Zusammenhänge selbst nicht besonders gut kennen. Daraus entwickelte sich dann ihr Vorschlag, für den ich ihr sehr dankbar bin.

 

Was muss sich Ihrer Meinung nach grundlegend ändern, wenn wir die Erde auf Dauer erhalten wollen?

Ein wesentlicher Anteil liegt bei jedem von uns, bei den Verbrauchern. So hat zum Beispiel jede Entscheidung beim Einkauf Einfluss, zum Teil bis ans andere Ende der Welt. Dieser Verantwortung müssen wir uns stellen. Dazu sollten wir, wenn uns etwas an der Zukunft des Planeten gelegen ist, unsere Bequemlichkeit und unseren Komfort überdenken. Diesen stellen wir leider viel zu oft über das Wohl der Umwelt.

Grundlegend wichtig ist natürlich auch, dass man die Hintergründe versteht und dann intelligente Entscheidungen treffen kann. Wer will schon gerne, dass die Orang-Utans leiden oder gar ausgerottet werden? Andererseits, wer weiß schon, dass genau das durch das Palmöl hervorgerufen wird und wo es überall verwendet wird. Das ist nur ein Beispiel, es gibt unzählige weitere.

Ein weiteres wichtiges Element ist, dass vielen Menschen die Bindung zur Natur abhandengekommen ist. Wer sich mit der Umwelt verbunden fühlt und sie zu schätzen weiß, zum Beispiel beim regelmäßigen Entspannen im Wald, der setzt sich viel eher für den Erhalt ein und ist gewillt, aus seinen Gewohnheiten auszubrechen.

 

Bei wem liegt Ihrer Meinung nach hauptsächlich die Verantwortung für einen entscheidenden Wandel?

Wie schon zuvor angedeutet, sehe ich die Hauptverantwortung bei jedem Einzelnen. Wir haben es in der Hand, wie viel Fleisch welcher Herkunft wir kaufen oder wie oft wir uns neue Kleidung zulegen und ob diese nachhaltig produziert wurde. Diese Entscheidungen haben dann auch Einfluss auf den Markt. Die Nachfrage wird das Angebot entsprechend steuern.

Natürlich haben auch Politik und Industrie eine erhebliche Verantwortung. Dieser werden sie bisher aber nur sehr mangelhaft gerecht. Das ist gleichermaßen schade und auch sehr ärgerlich. Zum einen könnten durch entsprechende gesetzliche Vorgaben viele Dinge viel schneller auf den Weg gebracht werden, zum anderen verpassen wir in einigen Bereichen aber auch Trends, was neben ökologischen durchaus auch wirtschaftliche Folgen haben kann.

Aber auch hier hat natürlich jeder Bürger die Möglichkeit, mitzuwirken. Das geht über das Wählen der richtigen Partei, aber auch über die Teilnahme an Petitionen, mit denen man mit vielen anderen zusammen doch eine sehr laute Stimme erheben kann.

 

Inwieweit ist Umweltschutz ein fester Bestandteil Ihres Lebens? Und Wie gut lässt sich ein bewusster Umgang damit in den Alltag integrieren?

Nachdem ich mich für das Buch intensiv mit dem Thema beschäftigt habe, wurde mir immer deutlicher, wie viel man machen kann. Und so wuchs auch die Bedeutung des Umweltschutzes in meinem Tagesablauf. Mittlerweile ist es ein Bestandteil, der mir sehr wichtig ist und auch für mein Glück eine große Rolle spielt, da ich damit einen wichtigen Beitrag für den Planeten und seine Flora und Fauna leiste.

Das Bewusstsein startet ja damit, dass mir mein Handeln und seine Folgen bewusst sind und ich nicht alles achtlos mache. Das ist der erste wichtige Schritt. Die tatsächliche Umsetzung ist in vielen Bereichen sehr leicht, in manchen Bereichen aber auch etwas schwieriger oder sogar sehr schwer. Es macht vom Aufwand her zum Beispiel keinen Unterschied, ob ich ein herkömmliches Shampoo kaufe oder eins aus einer Naturkosmetik-Serie. Teurer muss es auch nicht unbedingt sein. Wenn ich dann noch ein Stück festes Shampoo, nur in Pappe eingepackt, kaufe, habe ich ohne große Anstrengung viel richtig gemacht. Für den Einkauf Taschen mitzunehmen und auch Netze für Obst und Gemüse, macht ebenfalls nicht viel Mühe.

Dagegen fällt es mir schwerer, auf das Auto zu verzichten, da ich auf dem Land wohne. Wenn ich aber früher noch mal schnell zur Eisdiele in die Stadt gefahren bin, verkneife ich mir das heute lieber. Auch die Menge an Verpackungsmüll, den ich noch produziere, halte ich für viel zu groß. Aber es wird immer weniger, es geht also in die richtige Richtung.

Ich denke, dass jeder für sich selbst schauen sollte, was er oder sie leicht umsetzten kann. Es ist nicht realistisch zu glauben, dass man von jetzt auf gleich ein fahrradfahrender Zero-Waste-Veganer wird. Auch wenn das der optimale Weg wäre, so zählt jeder Schritt in diese Richtung. Denn auf die Masse der Bevölkerung gesehen bewegt sich dann trotzdem schon sehr viel.

 

Welche Erfahrungen beim Schreiben waren für Sie besonders prägend?

Was ich bei beiden Büchern festgestellt habe, ist, dass ich sehr viel über mich lerne. Dazu ist die Zeit des Schreibens eine sehr wertvolle Qualitätszeit für mich selbst. Aber es ist auch immer eine Zeit der Abschottung, insofern bin ich meiner Frau sehr dankbar, dass sie so geduldig immer wieder auf meine Gesellschaft verzichtet hat.

Bei diesem Buch war natürlich die Recherche ein sehr wichtiger und prägender Teil. Auf der einen Seite sind es die vielen negativen Fakten, die es rund um das Thema Umweltschutz und den Zustand der Welt gibt. Andererseits sind es aber auch sehr viele mutmachende Erkenntnisse, die mir selbst große Motivationsschübe geben.

 

Was hilft Ihnen bei Schreibblockaden und kennen Sie derartiges nicht?

Regelrechte Schreibblockaden hatte ich bisher keine. Es gibt Tage, bei denen die Worte nicht so recht fließen wollen. Da habe ich dann entweder nicht geschrieben oder diese einfach zur Recherche von Hintergrundinformationen genutzt. Zum Glück hat es nie lange gedauert, bis die Muse wieder da war und die Finger kaum den Gedanken hinterherkamen.

 

Welche Ihrer Erkenntnisse sind besonders wertvoll für Neu-AutorInnen?

Ich denke, es ist wichtig, sich selbst treu zu bleiben und seinen Stil zu verfolgen. Nur so kann man seinen Platz finden und das entstehende Buch unterscheidet sich maßgeblich von dem, was es bereits gibt. So habe ich zum Beispiel den Markt geprüft und geschaut, was es schon an ähnlichen Büchern gibt und welche Bereiche sie abdecken. Gelesen habe ich sie aber bewusst nicht, weil ich ganz unverfälscht meinen eigenen Stil verfolgen wollte.

Was ich ebenfalls wichtig finde, ist seinem Projekt ein ansprechendes Äußeres zu verleihen. Das ist einerseits wichtig, damit es Käufer anlockt, andererseits aber auch für den Autor ein tolles Erlebnis, wenn er oder sie später das „Baby“ in den Händen hält.

Worüber man sich als Selfpublisher frühzeitig Gedanken machen sollte, ist das Marketing. Wie will ich mein Buch bekanntmachen und an potentielle Leser kommen? Das ist für mich der schwerste Teil des Ganzen. Da hoffe ich jetzt, dass ich durch meine Facebook- und Instagram-Aktivitäten, aber auch durch die Interview-Partner im Buch, einen guten Grundstein gelegt habe.

 

Welche Unterstützung durch tao.de war für Sie besonders hilfreich?

Allein zu wissen, dass keine Frage eine blöde ist und man auf alles sehr schnell und kompetent eine Antwort bekommt, gibt mir ein gutes Gefühl. Die Internetseiten sind weitestgehend selbsterklärend, so dass ich relativ wenig Fragen hatte. Die kreativen Bereiche, zum Beispiel zur Gestaltung des Umschlags, habe ich nicht genutzt, aber ich bin mir sicher, dass diese ebenso leicht zu bedienen sind.

Für mich ist es also ganz klar die herzliche und kompetente Betreuung, die hinter allem steckt. Da muss ich mir um das Gelingen wirklich keine Sorgen machen und kann mich voll und ganz auf das Schreiben und Gestalten konzentrieren.

 

Dürfen wir auf ein weiteres Buch von Ihnen hoffen?

Ich hoffe es! Allein schon, weil mir das Schreiben sehr viel Spaß bereitet. Aber jetzt gibt es erstmal eine kleine Pause, da das Schreiben neben einem fordernden Job nicht immer ganz einfach ist. Ich freue mich zunächst mal auf das Feedback zu dem neuen Buch. Und vielleicht kommen mir dann ja auch bald neue Ideen.