"Erlaube dir, ganz du selbst zu sein!" Interview mit Dr. Anneliese Busse

30/07/2018 – Autoren im Focus

Kurzvita:

Ärztin und Mutter werden – das war mein Kindheitstraum! Ich bin 1955 geboren und es war besonders für Mädchen zur damaligen Zeit keine Selbstverständlichkeit, ein Gymnasium zu besuchen, geschweige denn zu studieren. Beides haben mir meine Eltern ermöglicht.
Während der intensiven Familienphase mit 3 Kindern stellte ich einige Jahre meine berufliche Tätigkeit etwas zurück, aber ich habe sie nie komplett unterbrochen. Jede Lebensphase hat ihren Sinn, und gerade die Bedeutung ganzheitlicher Heilweisen konnte ich in der Behandlung meiner eigenen Kinder eindrucksvoll erfahren.
Der erste Tag eines Krankenhauspraktikums zur Abiturzeit konfrontierte mich erstmals mit dem Sterben eines Menschen, was mich in tiefe Zweifel an Glaubenssätzen von Religion und Schulbiologie stürzte. Ich denke heute, meine Suchen nach dem Sinn von Leben und Sterben ist mit diesem Schockerlebnis initiiert worden. Als Ärztin war und ist es mir in der Begleitung von Menschen essenziell wichtig, selbst im Kontakt zu meiner inneren Kraftquelle zu sein – anders konnte und kann ich meinen Heilberuf nicht authentisch leben.
Seit vielen Jahren nun begleite ich die Menschen in meiner Praxis als ganzheitlich arbeitende Frauenärztin mit dem reichen Erfahrungsschatz aus Schulmedizin, Naturheilkunde, Akupunktur, TCM und geistigem Heilen. Und dabei spielt auch die Spiritualität eine wichtige Rolle. Es ist mir immer schon ein Herzensanliegen, Menschen Impulse für Selbstverantwortung, Selbstbestimmung und Selbstheilungsfähigkeit zu geben. Mit dem Buch trete ich aus den Grenzen eines Zweiergesprächs mit meinen Patientinnen nun vor einen weiteren Kreis von „Zuhörern und Zuhörerinnen“, um mit mehr Menschen die Früchte meiner Lebensarbeit zu teilen.

 

 

Was ist Ihr Lieblingsort zum Schreiben?

Unser großer, runder Erlen-Esszimmertisch mit Blick auf unseren Garten

 

 

Wann ist der Gedanke gereift, ein Buch zum Thema Selbstbestimmung zu schreiben?

Ich hörte mich in Gesprächen mit meinen Patientinnen immer öfter den Satz sagen: „Erlauben Sie sich …, lassen Sie es zu, dass …“
Aus diesen Erfahrungen erschien eines Tages während der Fahrt zu meiner Praxis spontan das konkrete Bild für ein Buch vor meinem geistigen Auge. Ich sah es ganz klar vor mir – ein Buch mit „Erlaubst-du-dir-Fragen“, illustriert mit einer Auswahl meiner Pflanzenfotos. Pflanzen und Blüten in jeder Form begleiten mich seit meiner Kindheit und sind mir immer eine Quelle reiner Freude. Sie bedeuten mir Nahrung für Herz und Gefühl. Und natürlich stehen sie symbolisch auch für viele Aspekte des Weiblichen: Schönheit, Sensibilität, Empfänglichkeit, Annehmen, versteckt oder unscheinbar sein u.v.m.

Gleich nachdem die Buch-Vision vor meinem inneren Auge aufgetaucht war, übernahm der Verstand jedoch wieder die Kontrolle, stellte die Idee infrage, urteilte darüber und verunsicherte mich mit tausend Zweifeln. Und dennoch ließ mich das Thema nicht los. Bei jedem neuen „Erlaube-dir“ im Alltag machte ich mir weitere Notizen, denn für mich fühlte es sich an, als ob das Buch selbst darauf drängte, geschrieben zu werden. So reifte in mir schließlich der Entschluss, tatsächlich meiner Inspiration zu folgen und die Erlaubnis-Beispiele auszuarbeiten. Nun sind sie zu einem Buch zusammengewachsen.

 

Warum passt Ihr Buch besonders gut in unsere heutige Zeit?

Wer mit offenen Augen und offenen Herzens das Geschehen auf der Erde beobachtet, stellt fest: die Welt befindet sich im Wandel und die Menschen leben und erleben bewusster.
Die Entwicklung der Menschen soll idealerweise wieder mehr vom „Wir-Gedanken“ geleitet werden. Um das realisieren zu können, muss der Mensch sich erst selbst darüber klar werden, wer er ist. Sich mit seiner tiefsten Quelle verbinden und die eigene Authentizität leben, schenkt die innere Freiheit, das eigene begrenzte Menschen-Ego loslassen und im Sinne eines All-is-One denken und handeln zu können.
Es ist natürlich absolut menschlich, ständig zwischen den Polen von Anziehung und Aversion zu pendeln. Heute klammerst du dich an einen geliebten Menschen, morgen suchst du schon Distanz und Freiraum. Wir brauchen Beziehungen, letztendlich auch eine Beziehung zu uns selbst. Und hier schließt sich der Kreis: Um die Beziehung zu uns selbst zu erforschen und zu heilen, ist es wichtig, jede Situation, jede Beziehung als Spiegel aufzufassen und zu akzeptieren.
Da das Ego, ganz menschlich eben um den Erhalt seiner „Herrschaft“ kämpft, sehe ich die vielen aufkommenden Negativitäten in der Welt, bis hin zum Klima (als einen Spiegel aller Energien) als ein Aufbäumen und hoffentlich baldiges Loslassen der alleinigen Macht des Egos.
Es ist jeder aufgerufen, seine Arbeit zur Selbsterkenntnis mit Liebe und Achtsamkeit im Alltag zu beginnen und zu üben. Wer auf diese Weise Frieden schafft in der Beziehung zu sich selbst, erschafft die Basis für mehr Frieden und Liebe auf der Erde.
Über die Erlaubnisfragen und ihre spirituelle Interpretation kann der Leser sein Bewusstsein für diese ersten Schritte öffnen und hoffentlich auch üben.

 

Was ist Ihrer Meinung nach der erste wichtige Schritt in Richtung Selbstbestimmung?

Ein Teil der Antwort hierzu ist bereits in der vorhergehenden Frage bearbeitet.
Zunächst ist es wichtig, sich bewusst zu machen, mit welcher Motivation und Intention wir Entscheidungen treffen. Sind sie aus Eigeninteresse darauf ausgerichtet, sich ein bequemes lustvolles Leben einzurichten? Das verstehen vielleicht manche unter dem Begriff „Selbstbestimmung“.  In meinem Buch ist die Bedeutung eine andere. „Selbst-bestimmt“ heißt in diesem Sinne: eine Entscheidung treffen aus dem Bewusstsein und der Weisheit des höheren Selbst. Jeder kann sich im Grunde immer wieder bewusst aus der Ego-Ebene in eine höhere Bewusstseinsebene begeben und eine mehr „auf das WIR“ - gerichtete Entscheidung finden.

 

Einer Ihrer Leitsätze lautet “Erlaube es dir!” Glauben Sie, dass wir uns selbst zu viele Verbote auferlegen, die unsere Selbstentfaltung einschränken oder sogar gänzlich unterbinden?

Ja und nein. Die sogenannte eingeschränkte Selbstentfaltung ist ein Thema mit reichlich Interpretationsspielraum. Ich erlebe bei meinen Patientinnen Situationen des Gefangenseins in Regeln und Verboten und eben auch ihre ursächliche Mitwirkung im Entstehen von Krankheiten. Das liegt an den „Filtern“ der Brille, durch die jeder subjektiv seine individuelle Alltagswirklichkeit erlebt und verarbeitet. „Filter“ entstehen daher auf mannigfaltige Weise: genetische, epigenetische, pädagogische und gesellschaftliche Einflüsse u.v.m. färben unsere Filter. Nur durch die aktive Änderung des Bewusstseins im Denken und Tun sind Menschen in der Lage, ihren Filtern eine neutralere Farbe zu geben oder gar sie zu entfärben. Werkzeuge hierfür können zum Beispiel sein, eine Haltung zu entwickeln, die mehr und mehr geprägt ist von Mitgefühl, Achtsamkeit, Dankbarkeit und Großzügigkeit. Ich habe versucht, dies in meinem Buch alltagstauglich zu „übersetzen“.  Zunächst biete ich einen Weg an, sich die mannigfaltigen Glaubenssätze erst einmal bewusst zu machen. Und natürlich Hilfestellung, die Glaubenssätze im Sinne des authentisch Werdens aufzulösen. Das Modell Yin und Yan in sich in Balance zu bringen, ist beispielsweise ein Zugang. Was jeder daraus macht, steht ebenfalls zu jeder Zeit in jedermanns eigener Verantwortung,

 

Welche Erfahrungen beim Schreiben waren für Sie besonders prägend?

Zunächst die Tatsache, dass ich lernte, mir selbst zu erlauben, wirklich ein Buch zu schreiben. Zu vertrauen, dass viele Menschen mein Buch, das aus einer „Autobahnidee“ heraus geschrieben werden wollte, es wertschätzen und lesen werden und sich davon berühren lassen.
Es hat mich jedes Mal tief berührt zu erleben, wie positiv beeindruckt meine Test-LeserInnen reagierten. Und es gibt und gab immer einen Teil in mir, der einfach „weiß“, dass das Buch jetzt für die Menschen hilfreich und wichtig für ihren Lebensweg ist. Diese Gewissheit hat mich gestärkt, trotz aller Widrigkeiten und Absagen von Verlagen, meinen Weg in der Veröffentlichung zuversichtlich und vertrauensvoll weiterzugehen. Das ist eine wertvolle Erfahrung, für die ich rückblickend zutiefst dankbar bin.
Eine weitere wichtige Entdeckung ist, dass ich jedes Mal aufs Neue lerne, wie durch Ausformulieren und Niederschreiben meiner Gedanken Klarheit in mir selbst und für den Leser entsteht.

 

Was hilft Ihnen bei Schreibblockaden und kennen Sie derartiges nicht?

Doch natürlich. Vor allem dann, wenn mein Vertrauen wankte. Manchmal habe ich gewartet - auch wochenlang, manchmal habe ich einfach begonnen, im Manuskript zu lesen. Oft geriet ich in einen Gedankenfluss, so als tauchte ich ein in einen Kanal, der mir Informationen schenkte. Im Nachhinein wunderte ich mich oft über viele dieser Gedanken…
Wenn ich beim Fotografieren der Blüten mich und alles um mich herum vergaß, tauchten oft neue Ideen und Inspirationen in mir auf.

 

Welche Ihrer Erkenntnisse sind besonders wertvoll für Neu-AutorInnen?

Zu vertrauen, dass eine Vision oder Herzenswunsch verwirklicht werden will. Sich diese Vision nicht zerreden zu lassen.
Zu vertrauen, dass zu gegebener Zeit dann die „richtigen“ Hilfen und Materialien auf seinen/ihren Weg kommen.
Manches Buch – wie meines – kann erst beim Schreiben konkrete Form und Inhalt annehmen.

 

Welche Unterstützung durch tao.de war für Sie besonders hilfreich?

Ich bin meiner Autorenbetreuerin Kim Walla äußerst dankbar, die geduldig jede meiner Fragen beantwortet hat. Ich habe mich von ihr auf liebevolle Weise kompetent begleitet gefühlt. Obwohl Tao nur begrenzte Druckoptionen und -qualität (für ein Buch mit 28 Farbfotografien) anbietet, hat sie mir zum optimalen Ergebnis verholfen – im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten.

 

Dürfen wir auf ein weiteres Buch von Ihnen hoffen?

Die Arbeit an und mit dem Buch hat mir unsägliche Freude bereitet. Ich selbst habe dabei ja auch eine tiefgreifende Entwicklung durchlaufen, wofür ich sehr dankbar bin. Ein neues Buchprojekt darf gerne auf mich zukommen – ich lasse mich überraschen, was das Universum mit mir vorhat.