In die Dunkelheit eintauchen - mit Saskia John

22/08/2016 – Autoren im Focus

 

Saskia John, Jahrgang 1961, wuchs in der ehemaligen DDR auf. Die Wende im November 1989 leitete einen persönlichen Wandlungs- und Wachstumsprozess ein, der bis heute andauert. Ihr kompromissloser Weg ist ausgerichtet auf menschliche Werte und höhere Ebenen des Seins, dabei dringt sie in immer tiefere Ebenen von Authentizität, Selbst-Erkenntnis und Verantwortung vor.

Seit 1994 arbeitet Saskia John als Therapeutin in eigener Praxis, wo sie Seminare, Gruppen- und Einzelsitzungen anbietet. In klarer und einfacher Sprache vermittelt sie ihr Erfahrungswissen weiter und begleitet Menschen auf ihrem persönlichen Weg zu Heilung und spirituellem Wachstum. Weitere Informationen finden Sie auf der Website.

 

In Ihrem Buch geht es um Ihre Erfahrungen mit Dunkelretreats. Was ist das genau?

Dunkelretreat bedeutet einen freiwilligen Rückzug für längere Zeit in absolute Dunkelheit. Das heißt, der Raum, Bad und Flur sind „hermetisch“ abgedunkelt, sodass alles – Schlafen, Wach-Sein, Toilettenbedürfnisse, Baden/Duschen, Trinken oder Essen – während der gesamten Zeit, Tag und Nacht, im Stockdunkeln stattfindet. Alle Ablenkungen, wie Radio, Computer, Handy, Telefon, CD-Spieler bleiben draußen, sodass der Mensch ausschließlich mit sich selbst konfrontiert ist.

Oft erhalte ich die Frage, was es denn bringe, sich der Dunkelheit auszusetzen.

Die Dunkelheit unterstützt sehr wirksam, unser inneres Licht – den göttlichen Wesenskern – klarer zu erkennen. Geschichtlich ist bekannt, dass alle spirituellen Traditionen diese Form der Innenschau nutzten, um Erleuchtung zu erlangen. Im tibetischen Kulturkreis beispielsweise setzen sich Mönche zwischen 49 Tage bis 3 Jahre diesem bewusstseinserweiternden Prozess aus.

Meiner Erfahrung nach ist Dunkelheit in sich selbst eine große natürliche Heilkraft. Durch das Fehlen äußerer Reize verändert sich die Wahrnehmung unserer Sinne – insbesondere das Fühlen, Empfinden, Riechen und Hören treten in den Vordergrund. Kindliche Glaubenssätze und uns in unserer Freiheit einschränkende Muster werden deutlich bewusst. Ehemals in das Unterbewusstsein verdrängte Energien (nach C.G. Jung auch "Schatten" genannt) tauchen Schicht um Schicht wieder an die Oberfläche und damit in das Bewusstsein, wodurch Wandlung, Integration und Heilung dieser möglich wird. Auch die Träume werden klarer und vermitteln deutliche Botschaften aus unserer Seele. Zudem können sich, neben der tief-archetypischen Welt, höhere Seins-Ebenen (Licht, Liebe, Frieden) mit einer stark transformativen Kraft offenbaren, die auf der persönlichen und kollektiven Ebene zu tiefen Selbsterkenntnis- und Heilungs­prozessen führen kann. 

Kurz gesagt: Die Dunkelheit bringt den Menschen klar und kompromisslos zu seinem wahren Selbst zurück.

Weitere Informationen finden Sie in diesem Kurzvideo: https://www.youtube.com/watch?v=MCx9tINmqcc

 

Wie oft haben Sie bereits ein solches Retreat besucht?

Ich bin gerade aus meinem 3. Dunkelaufenthalt über 26 Tage zurück. Darüber werde ich ein neues Buch schreiben.

2003 zog ich mich für 12 Tage und 2005 für 24 Tage in die Geborgenheit vermittelnde Dunkelheit zurück. Über meine dabei gemachten Erfahrungen und Erkenntnisse berichte ich ausführlich in meinem Buch „Grenzerfahrung Dunkelretreat“.

 

Was waren die schwierigsten und was die schönen Momente dieser Retreats?

Emotional sehr herausfordernd war es, wenn tiefe Ängste in Verbindung mit alten, in der Kindheit entstandenen Verletzungen hochkamen. Oder wenn ich in den Tiefen meiner Seele mir bisher vollkommen unbekanntes Land betrat. Dort gab es keinerlei Orientierung oder Griffe mehr, an denen ich mich festhalten konnte – es herrschten andere Gesetze, die es in etlichen Mutproben erst herauszufinden galt. Allein! Oft genug verließ mich jeder Funke Mut und ich hatte einfach nur noch nackte Angst, die mich erst einmal schleunigst umkehren ließ.

Offensichtlich hatte ich mir jedoch in den vielen Jahren Selbsterfahrung in der Arbeit mit dem Inneren Kind und in meiner Arbeit als Therapeutin, in der ich täglich Menschen durch Ängste hindurchbegleite, genügend Kompetenz erworben, um mit der Angst in annehmender und liebevoller Weise sein und da hindurch gehen zu können, sodass sie sich in jedem Dunkel­retreat mehr und mehr wandeln und integrieren konnte. Das war – rückblickend – ein langer, tiefer und oft auch schmerzhafter Weg. Doch genau dieser Prozess wiederum schien wie den Nährboden für weitergehende Erfahrungen bereitet zu haben, ohne dass ich dies beabsichtigt hatte. Denn, wann immer ich durch die Angst und andere Blockaden durch war, glitt ich danach in Bewusstseins­ebenen, deren Geschmack oder Qualitäten ich am ehesten mit Begriffen wie tiefste Ruhe und Stille, umfassender Frieden, kristallklare Klarheit, Zeit- und Raumlosigkeit sowie grenzenlose Freiheit beschreiben kann. Wer einmal diese höheren Seins-Ebenen erfahren hat, weiß um ihre strahlende Schönheit, bedingungslose Liebe und heilende Transformationskraft. Und das war einfach himmlisch schön.

 

Was ist Ihr Lieblingsort zum Schreiben?

Ich sitze gerne an meinem Schreibtisch und tippe alles, was kommt, gleich in den Computer.

 

Wann ist der Gedanke gereift, ein eigenes Buch zu schreiben?

In meinem ersten Dunkelretreat hatte ich eine tiefe Krise und drückte meinem Begleiter das Diktiergerät, mit dem ich alle meine Gedanken, Gefühle, Erfahrungen, Träume und Erkenntnisse aufnahm, in die Hand, damit er sich anhören konnte, wie es mir ging. Er empfand das Material so wertvoll, dass ihm die Idee kam, das zu veröffentlichen. Danach dauerte es noch 8 Jahre, bis ich innerlich alle Angst, so intime Details zu offenbaren und mich in meinem tiefsten Wesenskern der Welt zu zeigen, überwunden hatte und das Buch selbst auch reif war für die Geburt in die Welt.

 

Wer oder was hat Sie dazu inspiriert und gestärkt?

Inspiriert dazu hat mich, wie im Punkt zuvor schon erwähnt, mein Betreuer während meiner ersten beiden Dunkelaufenthalte. Meine damalige Therapeutin hat mich mit ihrer Begleitung unglaublich gestärkt, ebenso mein spiritueller Lehrer, durch den ich auch auf vielfältigste Weise Klarheit und dadurch Stärkung erfuhr. Wichtig waren und sind auch meine Freunde, die mir durch Zuhören und ehrliches Feedback weiterhalfen. Auch der Videokurs „Schreibglück“ von Veit Lindau hat mich auf vielfältige Weise mit seinen zahlreichen Tipps, Übungen und Informationen neu inspiriert und mir in etlichen Fragen weitergeholfen.

Und letztendlich war es auch mein eigener Wunsch, die Schätze aus der Dunkelheit in die Welt zu bringen. Ich verbinde damit die Hoffnung, dass diese Informationen Menschen helfen mögen, die ebenfalls auf dem Weg der ernsthaften Selbsterforschung sind, die damit verbundenen Herausforderungen und Irrwege besser erkennen zu können; auch möchte ich Anregungen geben, wie damit umgegangen werden kann. Und vielleicht geben meine Erfahrungen anderen auch Mut und Anstoß, sich selbst auf den Weg in die Tiefen des eigenen Universums hin zu innerer Wahrheit, Heilung, Mitgefühl, bedingungsloser Liebe und Weisheit zu machen.

 

Welche Erfahrungen beim Schreiben waren für Sie besonders prägend?

Während ich die Diktate, die ich in den Dunkelretreats anfertigte, hinterher abtippte und in lesbare Sätze kleidete, tauchte ich nochmals in die Energie der in der Dunkelheit gemachten Erfahrungen ein, wodurch sich diese vertieften und ich manchmal noch weitergehende Erkenntnisse gewinnen konnte. So führten sich die Dunkelprozesse über Jahre hinweg auch danach noch fort. Das hat mich wieder und wieder beim Schreiben sehr berührt. Auch die Erfahrung, dass Schreiben ein kreativer Prozess ist, der sich in sich selbst ständig wandelt und immer wieder neu gebiert, war eine sehr besondere Erfahrung für mich, die zudem den Kopf, das Wollen und Wünschen, entlastete. Ich brauchte es nur „fließen“ lassen …

 

Was hilft Ihnen bei Schreibblockaden oder kennen Sie derartiges nicht?

Wenn ich mich blockiert fühle, setze ich mich auf mein Meditationskissen, sinke langsam hinunter in mein Becken und öffne mich der Weite, der Stille und dem Größeren Ganzen …

 

Welche Ihrer Erkenntnisse sind besonders wertvoll für Neu-AutorenInnen?

Ein Lektorat ist Goldwert für den Prozess der Buchentstehung. Bei länger bestehenden Blockaden des Autors ist ein Coach, Therapeut/Therapeutin sehr hilfreich. Dem eigenen Herzen zu folgen, ist nicht nur für Neu-AutorInnen wertvoll. Absichtsloses Schreiben fördert den Schreibfluss und bringt Leichtigkeit in den Schreibprozess. Sich immer wieder Feedback „von außen“ holen erweitert den Blick auf das eigene Geschriebene und verhilft so zu einem gesunden Abstand und neuen Blickwickeln. Und, wenn die Absagen von den Verlagen zurückkommen, dann nicht aufgeben, sondern Self-Publishing in Erwägung ziehen. Marketing ist – das musste ich mir irgendwann eingestehen – von großer Bedeutung. Sehr unterstützend dabei sind die sozialen Netzwerke wie Facebook, Xing, LinkedIn, Google+ und YouTube – also rechtzeitig darum kümmern und Fan-Seiten aufbauen oder das Marketing an Menschen abgeben, die sich professionell damit befassen. Das Geld dafür ist wirklich gut investiert.

 

Welche Unterstützung durch tao.de war für Sie besonders hilfreich?

Ich fand es klasse, dass ich mit allen Fragen kommen konnte, die in mir während des Veröffentlichungsprozesses aufkamen. Sie wurden immer freundlich und zügig beantwortet. Jegliche Marketingleistungen und andere Zusatzpakete, die extra gebucht werden können, empfand ich als sehr hilfreich. Danke, dass dieses Know-how von tao.de angeboten wird!

 

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