Die Freude daran, sich nichts vorschreiben zu lassen

03.05.2014

ein joynBook – das joyige Freude und joinige Ko-Kreation unter einen Hut bringt und dem etwas verstaubt klingenden Begriff Buch auch noch mit dem cooleren Book einheizt? Da bleiben ja keine Wünsche offen, das Überraschungsei kann einpacken!

 

Genauer betrachtet enthält dieser Begriff wirklich die Zutaten für ein revolutionäres Verständnis vom Lesen und Wissenaneignen. In der Kunst gab es ja immer wieder diese Idee, dass ein Kunstwerk in Bewegung bleiben sollte – nur so kann es die Welt erfassen, die ja nun einmal nie „fertig“ ist, sondern immer weiter wogt. Immer im Austausch ist, in jedem Moment neu entsteht – abhängig davon, wer sie gerade betrachtet.

 

Wann ist ein Kunstwerk „fertig“?

Um auf Papier gedruckt werden zu können, muss ein Buch irgendwann trotzdem fertiggestellt werden. Das ist klar. Aber momentan läuft es doch so, dass wir etwas Fertiges kaufen, es lesen – und, seien wir ehrlich, auch wenn wir im ersten Moment vom Gelesenen noch so begeistert waren: Allzu häufig versickert es dann im Gedächtnis, auf nimmer Wiedersehen.    

Schulunterricht sah vor 100 Jahren ganz anders aus als heute. „Wahrheiten“ wurden eingepaukt – mit wenig Raum, das Gelernte zu hinterfragen und die eigene Wahrheit zu konstruieren. Das sieht zum Glück heutzutage an vielen Schulen anders aus. Mindestens genauso wichtig wie der eigentliche Lernstoff ist die Fähigkeit des Einordnens, des Bewertens. Und dafür braucht es eine eigene Haltung, einen eigenen Standpunkt.

 

Das Leben selber schreiben

Übertragen auf die Bücherwelt würde das heißen: Weg vom gemütlich berieselnden Konsum, hin zu einer aktiveren Rolle, die in uns die Freude daran weckt, die Autorität über das eigene Leben auszukosten. Und das können wir am besten, indem wir selbst in die Rolle des Autoren schlüpfen. Nicht ohne Grund sind die Wörter Autorität und Autorschaft eng verwandt. Ein joynBook lädt dazu ein, mich mit meinem inneren Wissen in einen kreativen Prozess einzubringen. Und die Erfahrung, dass Erlebnisse ganz anders im Gedächtnis gespeichert werden als Gelesenes, hat vermutlich jeder schon mal gemacht: Sie verändern uns tatsächlich, uns und die Art und Weise, wie wir auf die Welt blicken.

 

Mit der eigenen Weisheit in einen Austausch gehen

Ich kenne viele Menschen, die sich vom Bücherwissen abgewendet haben, weil sie es vorziehen, die Wahrheit in sich zur Entfaltung zu bringen – unabgelenkt von allzu theoretischen Impulsen. Irgendwie nachvollziehbar: Wer nicht ständig etwas von neuen Ansätzen liest, die das Rad permanent neu erfinden müssen (um ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber ähnlichen Titeln zu erringen), der hat es leichter, den eigenen Weg zu gehen, wenn er denn einmal gefunden ist, und die ureigene Wahrheit zu erkunden.

Gleichzeitig ist es schade, wenn die Weisheit dieser Wahrheiten häufig nicht geteilt wird. Umso spannender, wenn sich ganz neue „Erlebnisformate“ entwickeln, die einen Raum eröffnen, in dem etwas derart Magisches möglich scheint. Die das Wissen eines Einzelnen nicht nur auf Seiten packen, sondern Menschen einladen, an einem durchaus alchemistischen Prozess teilzuhaben, den sie mit ihrem ganzen Wesen mitgestalten können.