Ein unpersönlicher Mechanismus

19.05.2017

Lieber Andreas,

glücklicher Weise stimme ich gar nicht mit Dir überein.

Ich halte den gesamten Prozess der Identitätsbildung, so wie Du ihn beschreibst, für einen unpersönlichen Mechanismus, der beobachtet - aber nicht kontrolliert bzw. beeinflusst werden kann.

Folglich ist ein persönliches Ich-Gefühl zutiefst illusionär. Was soll das denn für ein Ich sein, das wird und vergeht – ohne je die Kontrolle über sich selbst und alle Prozesse in sich und außerhalb von sich gehabt zu haben? Es ist ein „Stein-Ich“ – zugegebener Maßen mit „bewusst Sein – Elementen“ ergänzt.

Die „Geschichten“, von denen Du sprichst, die wir uns über uns selbst und andere erzählen, sind reine Träumereien. Byron Katie führt das in ihrer „The Work“ plastisch vor Augen.

 

Perlen tauchen Cover

 

Als willkommenes Geschenk kommt gerade eine Mail von einer zukünftigen Autorin herein...

die sich auch mit diesem Thema beschäftigt hat und für mich voll Poesie und trostvoll zum Ausdruckt bringt, welches dem Verstand (vor allem meinem) nur sehr unvollkommen gelingt:

 

ER sagt: „ Du bist am Träumen. Es sind Träume der Angst, manchmal auch der Lust und scheinbaren Freude. Du suchst in diesen Träumen nach Sicherheit und Geborgenheit; eigentlich suchst Du nach Liebe.
Doch: 
Du träumst und siehst nur Schattengestalten auf einer Leinwand. Mehr ist es nicht.
Allerdings hast du vergessen, dass du träumst und erschreckst ob deiner eigenen Phantasie.

Das sanfte Rufen DEINES VATERS, die Lichtfunken deiner wahren HEIMAT, welche in diese düsteren Träume dringen, siehst du als Bedrohung. 
Und so versteckst du dich und die Angst umnachtet deinen Geist noch mehr.

Doch, egal was du als Wahrheit annimmst: 
SEINE gütige Hand hält dich, SEIN zärtliches sanftes Flüstern ist ewiglich nah. 
Immer und immer wieder streichelt ER dir über die Stirn, wie eine besorgte Mutter bei ihrem fiebernden Kind.

Was auch immer geschieht, sei gewiss: Du bist sicher – ewiglich! 
Deine Träume, egal wie schrecklich sie auch sind, vermögen dir nicht zu schaden, noch werden sie dir je SEINE LIEBE und GÜTE vorenthalten.

Höre dies und erlaube dir zu erwachen!

 

Bild_Himmel_Traum

Es sind also Traumidentitäten – und auch Beziehungen machen uns da nicht schlauer...

oder wie geht es Dir in Deinen Träumen, die Du in Deiner Traumidentität träumst? Dort finden ja auch Begegnungen statt – aber machen sie Dich klüger?

Daher wird hier die Auffassung vertreten, es gibt keine Komfortzone oder ihr Gegenteil, es gibt keine Möglichkeit sich selbst zu verändern, zu erweitern oder zu verbessern als Ergebnis eigener Bemühungen. Es ist alles perfekt, alles vollkommen – und „DU“ kannst daran – mit all Deinen Bemühungen - glücklicher Weise - nichts ändern.  Selbst, wenn das für Dich und für jeden anderen auch, als Unsinn erscheinen mag: Ich find es sehr tröstlich.

 

Joachim