"Wer zu spät geht, belohnt den das Leben?"

09.06.2017

Meditation

Zu Pfingsten, also vom 3. bis 5. Juni fand zum 25. mal das One Spirit Festival (& Kongress) statt - auch in diesem Jahr wieder in Freudenstadt.

Mal davon abgesehen, dass die Zeit dieser Art von Veranstaltungen aus meiner Sicht vorbei ist, die schwachen Besucherzahlen, die zudem mit jedem Jahr weiter abnehmen, mögen als Beleg dafür stehen, hat die Veranstaltung mit der langen Tradition, viel Charme. Das veranlasst wohl auch die Aussteller dazu, jedes Jahr wieder aufs Neue in den Schwarzwald zu reisen und ihre Produkte und Dienstleistungen rund um Körper / Geist / Seele zu präsentieren, obwohl der erwartete und am Ende auch erreichte Erfolg nur in sehr seltenen Fällen den Aufwand und die Kosten wirtschaftlich rechtfertigt. Es sieht in manchen Phasen des Wochenendes so aus, als würden die Aussteller für ihre Produkte im Wesentlichen untereinander verkaufen.

Vielleicht liegt es daran: Veranstalter, Aussteller und Publikum altern zusammen. Man fühlt sich wie auf einem Familientreffen: Man kennt sich seit vielen Jahren, teilt gemeinsame Geschichten, freut sich auf gemeinsame Gespräche und erinnerungsschwangere Veranstaltungen.

Ina KleinodIna Kleinod, Lektorin, Coach, Autorin, Ghostwriterin, Ex-Druckerin, Ex-Verlagsvertreterin, Ex-Buchhändlerin und ich haben wieder einmal - wahrscheinlich letztmalig - über die Möglichkeiten des Selfpublishing aufgeklärt und in 3 Gesprächsrunden und vielen AutorInnen-/Verleger-Speed-Datings AutorInnen über die Denke und Entscheidungsgrundlagen von Verlagen aufgeklärt und konkrete Hilfestellungen bei der weiteren Arbeit am eigenen Schreib-Projekt gegeben.
Es ist für alle Beteiligten eine Freude zu sehen, wie wertvoll dieser Wissentransfer ist, welch nachhaltigen Impulse, Anregungen und Ermutigungen in wenigen Minuten vermittelt werden können. Nicht nur die AutorInnen profitieren von diesen Begegnungen, auch wir, die Profis: Neue Themen, Buch-Ideen, Kontakte zu AutorInnen, die mit leuchtenden Augen die erfahrenen Tipps quittieren. Es macht jenseits wirtschaftlicher Erwägungen einfach Spaß. Ich habe auch dieses Mal viel dazugelernt und vielleicht wird sich aus den Kontakten das eine oder andere neue Projekt ergeben.

Angesichts der zu erwartenden Entwicklungen in den kommenden 10-15 Jahren mit dem Fortfall von mehr als 50% aller heute vorhandenen Arbeitsplätze - insbesondere von qualifizierten - wird die Spiritualität mit ihren unterschiedlichen Ansätzen und Praktiken, Glück, Erfüllung, Sinn und Gesundheit außerhalb der Arbeitswelt zu finden, eine große Bedeutung und einen immensen Boom erleben. Und plötzlich wird vielleicht das heute verstaubt und rückwärts gewandt erscheinende Festival zu einer neuen, mit einer gesellschaftlich essentiellen Bedeutung versehenen Institution werden.
"Wer zu spät geht, den belohnt das Leben!"
Man darf gespannt sein!

Joachim Kamphausen