Spenden? Nein, danke!

12.07.2017

Die Unart des Spendens ist eine Kumpanei der übelsten Sorte.

 

Wir waschen uns mit unserer den Planeten ausbeutenden, egozentrierten, hedonistischen Lebensart rein durch die Überweisung von ein paar (oder vielleicht ein paar mehr) Euros.

Dieses Geld wird dann von Hilfsorganisationen vereinnahmt, die vornehmlich damit ihr Unternehmen stärken. Sie verwenden ein Großteil der Spenden dazu, ihre hiesigen Mitarbeiter (Verwaltung, Werbung, Marketing) und hiesige Unternehmen, die Hilfsgüter liefern, zu alimentieren.

Ein weiterer Teil fließt an überbezahlte europäische Mitarbeiter vor Ort und ein kleiner Teil an meist unterbezahlte, oft sogar ausgebeutete einheimische Mitarbeiter.

 

Kitty Spendenbox

 

Insgesamt machen unsere Spenden unsere Gesellschaften reicher und beuten die Hilfsbedürftigen weiter aus. Die Strukturen, die so rund um die Hilfsaktionen geschaffen werden, zerstören oft die örtliche, gewachsene Kultur, erschaffen ungute Hierarchien vor Ort und eine Neidkultur.

Und ganz offensichtlich manifestieren sie die Ungerechtigkeiten. Denn trotz der Spende von hunderten von Milliarden bestehen die Probleme fort – ja, sie werden immer größer – siehe u.a. die wachsende Zahl von Wirtschaftsflüchtlinge aus Afrika.

Auch die durch Hunger ausgelöste Kindersterblichkeit, DIE Geisel unserer Zeit ist in den vergangenen Jahren nicht wesentlich zurück gegangen.

Man muss sich einmal vorstellen, wie lange uns der Angriff auf das World Trade Center mit seinen ca. 3.000 Toten beschäftigt hat und wie wenig uns die Zahl von knapp 150.000.000 Kinder, die seit 9/11 verhungert sind, bewegt.

 

Kreuzbox

 

Wir machen uns mitschuldig – unsere Spenden ändern daran nichts.

 

Sie kleben ein winziges Pflaster auf eine ungeheuer große, klaffende Wunde, die zum Himmel stinkt.

Leider muss ich mich selbst diesem WIR zugehörig erklären. Auch wenn ich gezielt spende und z.T. direkt konkrete Projekte unterstütze – der Mechanismus wirkt: Es ändert sich nichts! Das macht mich gleichermaßen zornig, wie es mich kurzfristig beruhigt. Aber am Ende werden wir uns der Verantwortung, die wir gegenüber unseren Brüder und Schwestern haben, stellen müssen. Spenden weisen dabei nicht den Weg.

 

Joachim Kamphausen

 

PS: Zur weiteren Lektüre zu dem Thema empfehle ich Linda Polmans „Die Mitleidsindustrie“

Kommentare

Tiefe Gedanken von Dir, Joachim, die ich teile. Mein Fazit: Spenden helfen nicht, sondern verschleiern nur weiter das Grundübel, das jedoch (da nicht gesehen oder gesehen, aber nicht ernstgenommen) nicht verändert wird. Für mich steckt dahinter die gleiche Dynamik wie in der Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen und dem Wunsch, sich "sicherer" und "freier" fühlen zu wollen. Äußere Mittel (Geld, Tabletten etc.) ändern nichts am inneren Mangel, sondern verdecken diesen meistens nur (Ausnahmen gibt es immer, z. B. wenn sich zugleich mit dem Zufluss/der Gabe der äußeren Mitteln auch im Inneren Wesentliches ändert). Beispiele für die Wirkungslosigkeit gibt es genug: Viele Reiche sind todunglücklich und stecken voller Angst. Und in Griechenland hat sich durch die Milliarden, die in das Land geflossen sind, nichts Wesentliches am dortigen Zustand geändert. Im Gegenteil: es meldet weiteren Bedarf nach weiteren Milliarden an ... ein fataler Teufelskreislauf.

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