Ina Kleinod - Lektorin - gibt wichtige Tipps zur Bucherstellung

31/03/2016 – Expertenrat

Kurzvita

Die Distanz zum eigenen Text ist nicht immer einfach – nicht für gestandene Schriftsteller und erst recht nicht für Erstautoren. Da ist es förderlich, ein profundes Feedback neutraler Experten zu erhalten. Nutzen Sie die Unterstützung, um Ihr Werk konzeptionell, inhaltlich und auch stilistisch in Topform zu bringen. Ein wichtiger Baustein, um in der Vielzahl der jährlich neu erscheinenden Titel bei den Lesern zu punkten. Lektorats- und Korrektoratsleistungen sind für immer mehr Selfpublisher eine Investition in ihren Erfolg.

Ina Kleinod – Inhaberin der Literaturagentur „Sinntext“ – weiß, wie wichtig der achtsame Umgang mit fremden Texten ist. Lektoratsarbeit erfordert Respekt und Gespür. All das bringt die erfahrene „Autorenförderin“ durch ihre langjährige erfolgreiche Arbeit mit. Hier gibt sie wichtige Tipps.

 

Welches Buch liegt aktuell auf Ihrem Tisch?

Autobiographie der Nacht – Ein Traumbuch von Martin Spura, den ich in 2013 in München persönlich traf, um ihn zu ermutigen, das Buch zu veröffentlichen. Die Grundlage des Skriptes waren zu diesem Zeitpunkt seine 7000 (!) notierten und ausgewerteten Träume seiner eigenen Lebens-Heldenreise. Die Essenz findet sich jetzt auf 270 Seiten – es ist wunderbar!

 

Welchen Lieblingsort zum Lesen haben Sie?

Es gibt drei: Ich lese total gern auf der Treppe zum Wohnzimmer sitzend. Aber die wichtigsten Leseorte sind natürlich der bequeme Drehstuhl am Schreibtisch (der frühere Ohrensessel) und ein stets dafür total frei gehaltener Tisch in meinem Meditationsraum. Da gibt es dann nur ein Buch, meine beiden Hände und das Holz, sonst nichts.

 

Was sind die größten Herausforderungen für Buchautoren heute?

Ich glaube, für viele ist es schwer, „ihr Buch“ als ein Gesamtkonzept – ein Produkt – zu verstehen, das neben dem begeisterten Schreiben selbst auch den nüchternen Blick auf Markt, das sensible Gefühl für den Leser und die Akzeptanz der realen Möglichkeiten in der Veröffentlichungslandschaft benötigt. All dies zu berücksichtigen, erfordert aus meiner Sicht eine Anstrengung für Geist, Seele und Körper – im wahren Sinn des Wortes.

 

Wie viele AutorenInnen haben Sie bei der Veröffentlichung ihres Buches unterstützt?

Schwer zu schätzen, etwa 400.

 

Welche Dienstleistungen bieten Sie an?

Neben dem klassischen Lektorat arbeite ich auch mit vielen Autoren konzeptionell. Ich begutachte ihre Materialien, gebe Feedback, recherchiere für sie am Markt, kristallisiere Schwerpunkte, Gliederungen ... Ich begleite ihre Schreibprozesse in Coachings und kümmere mich um interaktive handwerkliche Lösungen, beispielsweise durch Entwürfe und Arbeitsschablonen. Außerdem bin ich als Ghostwriterin tätig.

 

Wie gehen Sie bei der Lektorierung vor?

Oh, das ist so unterschiedlich wie die Projekte selbst. Im Normalfall ergibt sich diese grobe Reihenfolge der Schritte:

  • Gutachten und Feedback im persönlichen Gespräch mit dem Autor
  • Vorschläge, Entwürfe, Simulationen und Abstimmungen
  • Erster Gang durch den ganzen Text
  • Gegencheck durch den Autor
  • Zweiter Gang, Feinheiten und Schliff
  • Korrektorat

 

Was sind die „Kardinalfehler“ beim Schreiben?

Das ist wirklich eine bedrohliche Frage – es gibt beim Schreiben für mich so gut wie nichts, das sich nicht positiv verändern lässt, bis zum letzten Buchstaben … Aber ja, handwerklich ist es oftmals eine Katastrophe, wenn der Aufbau eines Textes beispielsweise keine Kontinuität in den Personal- oder Zeitformen aufweist. Eine inhaltliche Unart besteht auch darin, sich in Verallgemeinerungen zu flüchten, wenn es eigentlich um eine ganz subjektive, persönliche Sichtweise geht. Die Verwendung der unbestimmten Person „man“ halte ich für eine solche imaginäre Insel. Was vielen Autoren aber auch im Weg steht, ist die Involviertheit in das Thema. Es verführt sie dazu, 1:1 von sich auf andere zu schließen, was aber nie der Realität entspricht. Ein besonderes Hindernis liegt oft auch darin, zu hohe didaktische oder sogar missionarische Ansprüche zu haben und darin unbemerkt autoritär zu werden.   

 

Was gilt es beim Inhaltsaufbau besonders zu beachten?

Gerade der Inhalt im Überblick muss eine eindeutige Plausibilität haben, egal ob Sachbuch oder Literatur. Im Grunde kann der Autor das Inhaltsverzeichnis seines Buches als ein Exzerpt betrachten – eine Kurzfassung: der rote Faden, der für sich ganz allein „funktioniert“. Die Gliederung ist die komprimierte – die kürzeste – Version des Buches. Außerdem ist sie der schönste Nebenschauplatz. Besonders die Kapitelüberschriften sollten so geformt werden, dass sie sowohl stilistisch als auch themenführend miteinander korrespondieren – wie die Namen einer Großfamilie im Verbund eines Stammbaums einen einzigartigen Eindruck machen.  

 

Welche Fragen werden am häufigsten gestellt?

Werde ich nach einem Lektorat „mein (geliebtes) Buch“ überhaupt noch wiedererkennen? Was kostet ein Lektorat? Wie komme ich zu einer guten Struktur für mein Thema?

 

Welche Ihrer eigenen Erfahrungen sind besonders wertvoll für AutorenInnen?

Vor meiner beruflichen Konzentration auf das Lektorat habe ich selbst viele Jahre im Vertrieb für Verlage und im Buchhandel gearbeitet. Ich kenne den Markt, die Händler und vor allem die Leser. Ursprünglich komme ich zusätzlich aus der Reprografie und habe sozusagen einen ganz physischen Bezug zum Papier. Meine berufliche Entwicklung habe ich stets flankiert durch Persönlichkeits- und Kommunikationstrainings, um jedem Projekt die größtmögliche Präsenz zur Verfügung stellen zu können. Meine eigene Meditationspraxis unterstützt nicht zuletzt den intentionalen Raum und die darin vorherrschende Ruhe, in die ich meine Autoren mit ihren Buch-Babies einlade.

 

Welche 3 wichtigsten Tipps geben Sie AutorenInnen?

Stellen Sie so früh und so oft wie möglich Ihre Ideen und Materialien in Feedback-Situationen.

Vergessen Sie nie: Ein erfolgreiches Buch ist immer ein Dialog, kein Monolog. Sie brauchen den Leser, nicht umgekehrt. Schreiben Sie nicht, bevor Sie nicht sicher sind, dass der Leser anwesend und interessiert ist.

Trennen Sie von Beginn des Schreibens an Ihre persönliche Auseinandersetzung damit von der inhaltlich, thematischen Auseinandersetzung. Das, was Sie vermitteln wollen, muss souverän vermittelt werden. Ihr persönlicher Schreibprozess mit allen Zweifeln, Höhen und Tiefen hat im Buch nichts zu suchen. Bestenfalls gibt es zwei Fachleute an Ihrer Seite: der Lektor für das Buch und der Coach für Sie als Autor.