Mit der Gleichmut eines Apfels ...

17.11.2016

Herbst ist Erntezeit, eine Zeit der inneren Einkehr, die die Frage aufwirft: Was habe ich in der letzten Zeit eigentlich in meinem Geist gegossen und in meinem Herzen gehegt?

Einen verregneten Herbsttag kann ich doof finden, weil mir eigentlich der Sinn nach einem Spaziergang im strahlenden Sonnenschein steht – oder ich kann gut damit gehen, weil ich eh vorhatte, den Tag in einer Saunatherme zu verbringen, deren gemütliches Kaminknistern ja erst so richtig zur Geltung kommt, wenn es draußen nieselt.

 

Wer bestimmt über das innere Klima?

 

Ein Apfel erträgt alle Wetterkapriolen mit Gleichmut, bis er irgendwann reif und knackig an den Zweigen hängt. Wenn es wochenlang sonnig ist, dann ist er eben etwas früher reif.

In der Natur sind so viele Kreisläufe – ineinander verflochten - am Werk, dass es mich immer wieder in Staunen versetzt. Auch in unserem Inneren scheint vieles ineinander und aufeinander einzuwirken.

 

Apfelbild

 

Ich oder Es oder beide zusammen?

 

Können wir da von einem Selbst reden, einer zentralen Steuerungsinstanz, die irgendwo in uns ihren Sitz hat und in deren Macht unsere Befindlichkeit steht? Oder ist es an der Zeit, demütig anzuerkennen, dass wir – wenn wir ehrlich sind – dieses Selbst nicht wirklich verorten können? Studien haben gezeigt, dass unsere neuronale Aktivität bereits ansteigt, bevor uns bewusst ist, dass wir gleich eine Entscheidung treffen. Also müsste es eigentlich heißen: „Es“ entscheidet in uns – genauso wie es im Autogenen Training nach Jacobson in einer Formel heißt: Es atmet mich... Wer oder was aber ist dieses Es?

Und wie passt das alles damit zusammen, dass manche Ratgeber uns weismachen möchten, wir könnten beim Universum irgendwelche Bestellungen abgeben, die dann passgenau in unser Leben geliefert werden?

 

Du selbst trägst die Verantwortung für Dein Leben!

 

Ich gebe Bettina Gronow Recht, die in ihrem gerade erschienenen Buch 16 Plus. Deine Heldenreise schreibt: „Nur du allein kannst dein Leben so gestalten, wie es für dich bestimmt ist. Nicht deine Freunde, nicht deine Familie und auch nicht die anderen Menschen auf dieser Welt können dein Leben leben.“

Das verortet die Verantwortung für ein gelungenes Leben ganz klar bei uns selbst. Schließlich können wir uns – auch wenn wir von unwillkürlichen Prozessen aus diesem „Es“ gesteuert sind, die sich als ein Körpergefühl äußern, gleichermaßen als Heldin oder Held erleben. Als solcher haben wir unser Schicksal in der Hand, wir können proaktiv etwas dafür tun, dass unsere Wünsche Wirklichkeit werden.

 

  Buchvover16PlusRichtungsschild

 

Ohne Sonne kein Leben

 

Vielleicht geht es um einen mittleren Weg zwischen diesen beiden Polen: die Gleichmut einerseits und einem proaktiven Empowerment andererseits. Dann tun wir gut daran, in der Heldenperspektive lebend nicht die Demut aus dem Blick zu verlieren, die um unser Eingebundensein in die organismischen Zyklen des Lebens weiß. Wir sind davon abhängig, dass jeden Morgen die Sonne aufgeht. Und können jeden Morgen von Neuem beschließen, dass wir es nicht einfach als gegeben hinnehmen, dass wir in den kommenden Stunden einen neuen Tag erleben dürfen – es bedarf dabei eines so komplexen Zusammenspiels der uns umgebenden Natur, dass es unseren Horizont definitiv übersteigt.

 

Es würde mich interessieren, was Sie dazu meinen.

 

Ihr Andreas Klatt