Wünsch Dir was ...

13.12.2016

Ob wir Fürbitten an Gott während der Heiligen Messe sprechen oder unsere Vorstellungen auf einen Zettel schreiben und verbrennen. Mit unterschiedlichen Abläufen und Ritualen versuchen wir, „den Chef“ wohlwollend zu stimmen oder das eigene Schicksal zu dominieren. Doch was ist davon zu halten?  Reicht der Wunsch aus? Was können wir darüber hinaus tun? Können wir überhaupt etwas tun?

Bestellungen ans Universum

Ich fand dieses Unterfangen trotz oder wegen meiner christlichen Erziehung immer schon sehr eigenartig. Es macht auf mich den Eindruck als müsse man der höheren Macht auf die Sprünge helfen. Ganz nach dem Motto: Die da oben kriegen es nicht gebacken, dass mir das „Richtige“ widerfährt. Oder: „Ich werde mit meinen Wünschen, meinen Bedürfnissen übersehen. Ich muss da unbedingt mal nachhelfen, einen Erinnerungsruf senden!“ Oder: „Ich habe es in der Hand – ich muss es nur „richtig“ machen, dann gibt’s die Wunscherfüllung als Belohnung!“

Mädchen_Wunsch

Woher weiß ich eigentlich, was gut für mich ist?

Da möchte man doch manchmal all den Gläubigen und Glückmachern in eigener Sache zurufen: Ist das wirklich Euer Ernst? Glaubt Ihr wirklich, dass das so funktioniert? Ich frage mich immer wieder: „Woher weiß ein Mensch eigentlich, vorher, dass ihn die Erfüllung seines Wunsches glücklich machen wird?“

 Ich bleibe mal bei mir. Mein Leben ist eine Ansammlung nicht erfüllter Wünsche – es sind mir sogar alle wesentlichen Wünsche nicht erfüllt worden. Ein ganz und gar freies Leben wollte ich führen, verantwortlich nur für mich und mein Wohlergehen. Nun hat mir aber ganz wunschlos das Leben eine wunderbare Familie und ein florierendes Unternehmen mit engagierten Mitarbeitern geschenkt. Eine ziemlich herausfordernde Aufgabe mit viiiiiel Verantwortung.

Ich leide aber nicht darunter! Ehrlich!

Ich habe auch gar nicht den Eindruck, dass die fehlende Wunscherfüllung meiner Entwicklung geschadet hätte und mein Glückspotenzial dadurch beschädigt worden wäre – im Gegenteil.

Eine enge Freundin hat sich den Mann ihrer Träume gewünscht und dann manifestiert. Im nächsten Seminar saß er vor ihr: Die perfekte Blaupause ihrer sehr präzisen Wünsche. Sie sind gleich zusammengezogen – und nach drei Monaten hat sie ihn rausgeschmissen. Warum? Ganz einfach: Es war zu langweilig.

fahrrad

Ich liebe Überraschungen und Herausforderungen. Sie halten mich wach und schenken mir immer wieder neu das Vertrauen, dass alles bestens für mich gerichtet ist – weit jenseits meiner kurzbeinigen Wünsche.

Es würde mich interessieren wie Sie das sehen?

Ihr Joachim Kamphausen

Verleger

 

 

Kategorie: Für LeserInnen

Kommentare

Lieber Joachim Kamphausen

Oh ja, dieser Mythos vom ach so selbstbestimmten Leben. Mittlerweile denken wir, wir können sogar Gott (oder welchen Namen auch immer man für die Intelligenz des Lebens benutzt) kontrollieren.

Ich glaube zwar nicht, dass das wirklich funktioniert, aber ich glaube es macht das Lebens leichter in der Illusion zu leben, dass ich über mein Leben entscheide.

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Dass Matthias und ich keine gemeinsamen Kinder haben konnten (da hat alles Beten, Zettel verbrennen, Blockaden auflösen, Mindset ändern, etc... nix geändert) war einer der schmerzhaftesten Prozesse in meinem erwachsenen Leben.

Heute im Rückblick kann ich vollen Herzens zustimmen und sage: Danke.

Da hat jemand oder etwas um einiges besser gewusst, was ich in diesem Leben an Erfahrung brauche.

Und trotz allem glaube ich, dass wir im "Wünschen" Trost finden können. Und auch, dass es uns erstmal Klarheit darüber verschafft, wie wir uns ausrichten wollen.

Matthias und ich haben uns im April "gewünscht" dass unser Buch noch in diesem Jahr veröffentlicht wird. Im Mai haben wir sie getroffen....

Und trotzdem, wie eine hinduistische Inderin mir vor zwei Jahren in Indien sagte: "It's all fathers will - wie are just puppets in his hand"

Wenn wir das wirklich ernstnehmen, gewinnen wir etwas, was in unserer ach so selbstbestimmten Gesellschaft total unmodern ist:

Demut und Bescheidenheit.

Danke für diesen tollen Text.

Dee

 

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