Stille und innerer Frieden?

18.07.2016

Wann haben Sie sich das letzte Mal eine Auszeit genommen? Ich meine damit nicht Urlaub, sondern eine Zeit zur Selbstreflexion.

Im Alltag - ob privat oder beruflich – fällt es mir wirklich nicht leicht, bei meinen Erwartungen an mich und bei allem Funktionierenwollen und -müssen, mich und die Welt um mich herum bewusst wahrzunehmen und mich zu spüren.

Die Phasen, in denen ich mit mir selbst in Kontakt komme, sind selten.

Und was dann passiert, wenn plötzlich alles um mich herum still ist, wenn keine Ablenkung mehr da ist? Da tun sich dann erst einmal Abgründe auf – und eine Gedankenflut stürzt über mich herein. Ruhe und Alleinsein zu genießen fällt mir zunächst sehr schwer.

Über sich selbst hinauswachsen

Ich selbst habe gerade 2 ½ Wochen in einer einsam und hoch gelegenen Hütte in den Alpen verbracht, ohne Strom, ohne Internet, ohne Ablenkung. Natur pur.

Was ist passiert? Was habe ich bemerkt?

Plötzlich nehme ich in mir eine Sensibilität für die leisen Geräusche wahr, für Düfte, Farben, Blumen, Gräser, eben für das Kleine, das mir im Alltag gar nicht mehr auffällt. Dadurch vermag ich‘s auch nicht mehr wertzuschätzen. So wie ich mich in den Bergen bereichert fühle, verarme ich im Alltag.

Sich selbst begegnen

Morgen kehrt Saskia John, eine Freundin und Autorin aus einem ganz besonderen Retreat zurück. 26 Tage hat sie alleine in der Dunkelheit verbracht, um über intensive Meditation in tiefere Bewusstseinsebenen einzutauchen. Es ist bereits das dritte Mal, dass sie sich in das transformative Kraftfeld "Dunkelheit" begibt. In diesem Video beschreibt sie ihre Erfahrungen. [Die englische Ausgabe des Buches ist in einer Kurz- und Langversion bei tao.de erschienen].

Mit sich selbst alleine sein zu können, ohne sich einsam zu fühlen, fällt – nicht nur mir - schwer. Was da im Hintergrund wartet, kann überraschend wohltuend aber auch ziemlich herausfordernd sein.

Ich bin sehr gespannt, was Saskia von ihren Erfahrungen zu berichten weiß.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Phasen der Stille und des Rückzugs gemacht? Lassen Sie mich bitte daran teilhaben und schreiben Sie mir.

Ihr Joachim Kamphausen

 

Kommentare

Lieber Joachim,

eine kurze Zwischenmeldung meinerseits: Danke für Deine Nachfragen! Ich melde mich hier - und bei Dir - ausführlicher wieder, sobald ich die Erkenntnisse und Erfahrungen soweit in Worte gefasst habe, dass sie Deine Fragen beantworten. Das dauert noch ein wenig, aber ich bin dran ...

Liebe Grüße,

Saskia 

Lieber Joachim,

vielen Dank für Deinen anregenden Artikel und Deine Einladung, Erfahrungen mit Phasen der Stille zu teilen. 

Meinen 26-tägigen Rückzug in die Stille und die Dunkelheit erlebte ich als sehr erhellend, berührend, heilend, vertiefend und unglaublich erfahrungsreich. Es war wie eine Seelenreise, die einen weltlichen Anfang und ein transzendentes Ende hatte - mit Höhen und Tiefen, von ewiger Stille hinterlegt . 

Ich werde meine Erfahrungen in einem neuen Buch veröffentlichen. Den Titel habe ich schon - er ist mir in der Dunkelzeit erschienen. Verrate ich aber noch nicht. Vielleicht helfen meine Bücher einigen Menschen, die Angst vor der Dunkelheit und vor Veränderung abzubauen bzw. mit neuen Augen darauf zu schauen, wenn sie von meinen Erfahrungen lesen.

"Diese heilsame bewusste innere Auseinandersetzung mit uns selbst darf meines Erachtens nicht mehr als "Luxus" oder "Marotte" einzelner Suchender betrachtet werden, sondern ist vielmehr zur dringenden Notwendigkeit für die Menschheit geworden, um in eine erwachsenere, reifere Ebene des Menschseins hineinwachsen und den globalen Herausforderungen dieser Zeit angemessen begegnen zu können." (Zitat aus der überarbeiteten Neuauflage "In den Tiefen meiner Seele. Erfahrungen in völliger Dunkelheit" - Die Neuauflage hat den Buchtitel: "Grenzerfahrung Dunkelretreat. In den Tiefen meiner Seele", das in Kürze auf tao.de erscheinen wird). 

In dem Sinne alles Liebe, 

Saskia

Liebe Saskia,

schön, dass Du offensichtlich vollständiger, "runder", wieder aus der Dunkelheit ins Lichte zurück gekehrt bist.
Ich möchte Dich bitten, mir - für mich - und für unsere Leser durch ein Bespiel deutlich zu machen, was da genau mit Dir passiert ist und welche Erkenntnis Dir geschenkt worden ist. Das wird sicher unseren Hunger nach Deinem neuen Buch vergrößern, zumal wenn Du uns einen Ausblick gibst, für wen Dein Buch gedacht ist und welchen Nutzen wir für uns beim Lesen erwarten können.

Herzliche Grüße
Joachim Kamphausen

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