Das Mysterium des ständigen Werdens und Vergehens

22.12.2016

Manchmal scheint es fast, als wäre allenfalls die Kunst im Stande, aus dem Reich des Unsagbaren, formlose Werke zu erschaffen, die über sich selbst hinausweisen. Kreative Schöpfungen, die eine Idee so weit verdichten, dass sie in uns etwas berührt, eine Ahnung des Urgrunds, in dem alle Unterschiedlichkeit zwischen uns transzendiert ist. Wenn Kunst das schafft, dann hat sie etwas Erhabenes. Etwas, das in uns immer wieder eine (vielleicht auch schon fast erloschene) Flamme neu entfachen kann, für die es so viele Begriffe gibt: Begeisterung, Spielfreude, Begegnung, Flow. Wie auch immer man es nennen mag: Wenn ich an die vielen Workshops denke, die dieses Jahr bisher für mich bereitgehalten hat, dann ist es immer wieder dieses innere Feuer, das ich durch ein besonderes Setting, durch bewegende Übungen und das dadurch entstehende Miteinander erfahren konnte.

Flow_Bild

Bei einer dieser Übungen ging es darum, mit geschlossenen Augen ausgiebig die Hand eines anderen Menschen zu ertasten, sich all ihre Eigenheiten einzuprägen. Dann kommt es zu einer Trennung – die Augen weiterhin geschlossen, tapert die Gruppe blindlings durch den Raum. Und jeder hat die Aufgabe, die ertastete Hand im Gewirr der Menschen wiederzufinden. Anfangs hatte ich den Gedanken: Wie soll das denn gehen, bei 15 Menschen im Raum? Aber dann merkte ich bei jeder Hand, die ich prüfend ertastete, wie einzigartig doch die war, nach der ich suchte – einzigartig in ihrer Form, einzigartig in ihrer Temperatur, einzigartig in dem Gefühl, das dadurch in mir ausgelöst wurde.

 

Ein Sensorium, das Wege ins Unfassbare der Intuition kennt

 

Wir haben ein umfassendes Sensorium geschenkt bekommen. So geheimnisvoll umfassend, dass wir damit sogar als Rutengänger Wasseradern erfühlen oder beim Familienstellen psychologische Strukturen eines Systems ertasten können. Vorausgesetzt, wir schaffen es, dem Geplapper im Kopf nicht einfach ausgeliefert zu sein, sondern in uns einen Raum zu kultivieren, in dem wir Zugang zur Intuition und ihrer Weisheit haben. In der spirituellen Szene gibt es viele, die versprechen, diesen Zugang zur Quelle zu bahnen. Aber wer ist dazu im Stande, wo es doch nicht – wie bei einer Aspirintablette – so etwas wie ein Patentrezept gibt? Keine Frage, da warten viele Fallstricke, durch die Ulrich Nitzschkes Seelen-Reiseführer „Revolution im Spiri-Land“ Erhellendes beizutragen hat.

Cover_Nitzschke

Was aus meiner Sicht essentiell ist: Wann immer unsere Kommandozentrale ein „Grad fehlt noch etwas, dann wäre es besser, vielleicht sogar perfekt“ dazwischenfunkt, haben wir es mit einem Nicht-Einverstandensein mit dem, was gerade ist, zu tun. Und sind, wenn wir es nicht bewusst bemerken, dem Ego auf den Leim gegangen. Was tun wir in solchen Momenten? Wie finden wir aus der Welt der Illusion und Trennung in diese Ganzheit zurück, die uns eigentlich immer ausgemacht hat, allem Geplapper zum Trotz? Auf tao.de habe ich einige Gedichte gefunden, die wertvolle Impulse liefern, einen solchen Weg zu bahnen, wie dieses hier von Monika Hansen:

 

Aus meinem übervollen Herzen

strömt alle Liebe zu Dir hin.

Ich fließe mit, lass mich verwandeln -

die Welt ergibt auf einmal Sinn.

Aus Deinem grenzenlosen Raum

kommt alle Liebe bei mir an.

Ich atme tief und werde still

und öffne mich, so weit ich kann:

Lichterfüllte Ewigkeit -

und DEIN Name wird zum Klang.

Seele schwingt in Seligkeit,

tanzt im kosmischen Gesang.

 

 

Und auch ihr Autoren-Kollege Konrad Polak lässt sich auf das Abenteuer ein, Worte für das Unsagbare zu finden:

 

 

EIN SEIN

Das ist

das Geheimnis des Alls:

Alles ist göttliches Sein.

Da ist keine Trennung

und keine Verschiedenheit.

Alles ist eins

und alles ist heilig.

Es gibt nur das Eine,

namenlos und unbegreiflich,

das in sich Welten bildet,

gestaltet und bewohnt,

bis es sie wieder auflöst.

 

Solche Zeilen zu lesen und – vor allem – sie wirken zu lassen, das kann in uns Reifungsprozesse befeuern. Genau wie die Sonnenkraft, die ein Apfel braucht.

 

Haben Sie ein persönliches Lieblingswerk? Welches ist es? Und was macht seine Strahlkraft für Sie aus?  

 

Ihr Andreas Klatt